Muslimwelt

Wissen schafft Frieden

Die Bedeutung der Koranverse (9:28 ; 98:6; 8:55)

Posted by muslimwelt - Januar 13, 2008

Ein Besucher meiner Webseite hat mir folgende Frage gestellt:

Sind diese Verse gültig?

Sure 9:28 “O die ihr glaubt! wahrlich, die Götzendiener sind unrein.”

Sure 98:6 “Die Ungläubigen unter den Leuten des Buches (Juden und Christen): Sie sind von allen Wesen am abscheulichsten”.

Sure 8,55: “Siehe, schlimmer als das VIEH sind bei Allah die Ungläubigen, die nicht glauben.”

(Koranübersetzung von Max Henning, überarbeitet von Murad Wilfried Hoffmann)

Ob diese Verse gültig sind? Ja sie sind gültig. Aber ich möchte die Bedeutung der Verse näher erklären.

Zu Sure 9:28 „O die ihr glaubt! wahrlich, die Götzendiener sind unrein. Drum sollen sie nach diesem ihrem Jahr sich der Heiligen Moschee nicht nähern. Und falls ihr Armut befürchtet, so wird euch Allah gewiß aus Seiner Fülle reich machen, wenn Er will. Wahrlich, Allah ist allwissend, allweise.“

 

Unrein ist hier sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinn zu verstehen. Den Muslimen ist geboten, gründlich auf ihre Gebetswaschungen und ihre physische Reinlichkeit zu achten, sowie auf die Reinheit von Herz und Gedanken, so dass man sich auf ihr Wort verlassen kann. [1]

 

Der Begriff “nadschas“ („unrein“) erscheint im Qur’an nur an dieser Stelle und hat ausschließlich geistige Bedeutung. Bis heute bezeichnen die Beduinen in Zentral- und Ostarabien – die im Gegensatz zu modernen Stadtbewohner die Reinheit der arabischen Sprache am meisten bewahrt haben – eine unmoralische, treulose und boshafte Person als

„nadschas“.

 Hierbei handelt es sich um die seelische und nicht um die körperliche Unreinheit. Denn ihre Körper sind an sich nicht schmutzig. [2]

 

 

Wenn eine Person mit dem Wort “nadschas“ (unrein) bezeichnet wird, so ist damit ihre Seele an erster Stelle gemeint, auch wenn sie äußerlich sauber erscheint. (Al-Manar) Es gibt Leute, die arm sind und nicht die Möglichkeit haben, jeden Tag eine Dusche zu nehmen, sich zu parfümieren, und teure Kleidung zu leisten. Aber trotzdem sind sie rein, innerlich in ihren Herzen und Seelen sind sie so rein wie die Reinheit der frisch gemolkenen Milch.

 

Die Reinheit von Herz und Gedanken, erreicht man mit dem Iman “Glauben“ in dem man den Islam annimmt. Nur an den einzigen Gott zu glauben und an seinen Prophet Mohammed möge Allahs Heil und Segen auf ihm sein. Die Götzendiener der damaligen Zeit gingen teilweise sogar nackt zur  heiligen Moschee, ein Ort an dem sie Schirk (Beigesellung) begangen, in dem sie andere Götter oder Steine, Glücksbringer anbeteten. Man wollte also auch diesen Ort rein in seinem Glauben halten, das heisst nur Allah, der einzige soll hier angebetet werden. Der Glauben der Götzendiener ist nicht rein – bzw. richtig. Und Schirk (andere Dinge neben den einzigen Gott anzubeten) ist eine große Sünde im Islam. Weiter brauchen sie sich nicht an die Regeln zu halten, die Gott seinen Gläubigen auferlegt, weil sie nicht Muslime waren. Sie machten also was sie wollten. Die heilige Moschee sollte also ein Ort der Reinheit werden, in dem keine Sünde mehr geschehen sollte. Wie Beispielweise, das Trinken von Alkohol, oder urinieren am heiligen Ort und andere Dinge, was die Götzendiener ohne schlechtes Gewissen tun konnten.

 

Zu Sure 98:6 “Wahrlich diejenigen, die kaafir waren unter den Leutender Schrift und den Götzendienern, werden ins Feuer der Hölle kommen und dort verweilen. Sie sind die schlimmsten der Geschöpfe.“

 

Wir Muslime glauben, dass neben den Menschen auch die Tiere an Allah glauben und ihn preisen.  Auch Steine und Pflanzen glauben, preisen und dienen Allah und folgen seinem Willen. Die sieben Himmel und die Erde und wer darinnen ist, sie lobpreisen Ihn; und es gibt kein Ding, das Seine Herrlichkeit nicht preist; ihr aber versteht ihre Lobpreisung nicht. Wahrlich, Er ist langmütig, allverzeihend.“ Sure 17:44

 

Alle Geschöpfe der Erde glauben natürlicherweise an Allah, ohne dass sie Irre gehen. Sie unterliegen nicht der Prüfung wie wir Menschen oder den Dschinnen, denn sie haben nicht den Verstand und die Willensfreiheit, noch können sie ihre Triebe kontrollieren wie wir Menschen und Dschinnen(Wesen, die auch Verstand besitzen, und aus Rauch geschaffen wurden. Shaitan ist im Islam ein Dschinn, kein gefallener Engel). Bei Allah ist das schlimmste Geschöpf derjenige, der sich von Allah abwendet, nachdem zu ihm die Wahrheit gekommen ist.

 

Mit der Gabe der Unterscheidung zwischen Recht und Unrecht versehen

zu sein und dann die Wahrheit und das Rechte zu verleugnen, ist die

schlimmste Art der Unvernunft, die ein mit freier Willensentscheidung

begabtes Geschöpf begehen kann.

 

Wir Muslime glauben an das Paradies und die Hölle. Wir werden bestraft für unseren Hochmut, unsere Undankbarkeit und Verachtung gegenüber Allah. Auch sind wir nicht vor der Strafe sicher, denn auch ein Muslim ist nicht sündenfrei. „Möge Allah uns rechtleiten und uns vor der Strafe des Höllenfeuers schützen(Amin)“. Aber es gibt eine Sünde, die Allah niemals verzeiht. Das ist das Verleugnen unseres Schöpfers, das verachten und verspotten desjenigen dem wir unsere Existenz verdanken, der uns die Erde fruchtbar machte, der uns den Schutz der Familie gewährte, der uns die Fähigkeit gab zu lieben und barmherzig zu sein, und stattdessen, weltliche Dinge anzubeten, oder erfundenen Gottheiten zu dienen. Dies wird nicht verziehen, auch keinen Muslim, der neben Allah anderen Göttern dient. Die Götzendiener und die Schriftbesitzer, die nicht der Wahrheit, und dem Gesandten folgen, nachdem sie die Wahrheit erkannten, werden dafür bestraft. Deshalb ist das ungläubige Geschöpf bei Allah schlimmer als jedes andere.

 

Ehre gebührt vor dem Angesicht Allahs nicht einer bestimmten Rasse oder einem Bekenntnis, sondern nur dem aufrichtigen und rechtschaffenen Verhalten. [1]

 

Danach kommt in Sure 98:7“ Wahrlich, diejenigen, die den Imaan verinnerlichen und gute Werke tun, sie sind die besten der Geschöpfe.“

 

Man vergleiche das mit der vorangegangenen Aja. Menschen, die ein Leben des Islams leben, rechtfertigen den Sinn ihrer Prüfungszeit hier auf Erden. Sie erlangen die Erfüllung ihrer höchsten Hoffnungen, nämlich das Paradies. [1]

 

Zur Sure 8:55 habe ich eine andere Übersetzung:

 

Die schlimmsten LEBEWESEN sind nach Gottes Urteil die Ungläubigen, die vorsätzlich nicht glauben wollen,( Koranübersetzung von Azhar)

 

Gewiß, die Übelsten der sich BEWEGENDEN LEBEWESEN, sind bei ALLAH diejenigen, die Kufr betrieben haben, so verinnerlichen sie den Iman nicht.( Koranübersetzung von Zaidan)

 

Das koranische Wort „Dabbat“  bedeutet nicht nur Tiere oder Vieh sondern alle Lebewesen, auch die Menschen.

 

Über diese Ayat werde ich „Incha Allah“  eine ausführliche Erklärung noch schreiben, so ALLAH will. Wenn Sie die Erklärung für die vorherige Aya (Vers) gelesen haben, verstehen sie schon fast die letzte Aya. Denn auch Tiere sind gläubig.

 

 

[1] Tafsir Jusuf Ali

[2] Tafsir Qutb

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Eine Antwort to “Die Bedeutung der Koranverse (9:28 ; 98:6; 8:55)”

  1. Zu 9:28
    Vergl. „These are dirty thoughts of a dirty person“. Oder „schmutzige Witze“. Dies einerseits und andererseits kennt man im Islam nicht nur die tatsächliche, physische Unreinheit, sondern auch den Begriff der „Unreinheit im religionsrechtlichen Sinn (hukmi najaasat)“. Wie oben ausgeführt, bedeutet „unrein“ in diesem Vers hier, nicht die rituelle, Waschung (wudhu, ghusl) vorgenommen zu haben, bzw. unreine Gedanken im Sinn (von Abgötterei) zu haben.

    Zu 98:6
    Wahrlich, jene, die [trotz allen Beweises] daran festhalten, die Wahrheit (1) zu leugnen – [seien sie] von den Anhängern früherer Offenbarung oder von jenen, welche Anderem neben Gott Göttlichkeit zuschreiben – werden sich im Feuer der Hölle wieder finden, um darin zu bleiben: sie sind die schlimmsten aller Geschöpfe. (Interpretation nach Muhammad ASAD)
    (1) Nämlich die selbstverständlichen Prinzipien, die in den vorangegangenen Versen als der Anfang und Ende aller sittlichen Gesetzgebung formuliert wurden.

    Zu 8:55
    Wahrlich, die schändlichsten Geschöpfe vor dem Antlitz Gottes sind jene, welche darauf versessen sind, die Wahrheit zu leugnen und deshalb nicht glauben.(2)
    (Interpretation nach Muhammad ASAD)
    (2)Vergl. Vers 22 dieser Sure, wo diese Redewendung in Hinblick auf Leute gebraucht wird, „die ihren Verstand nicht gebrauchen“. In vorliegendem Fall sollte angemerkt werden, dass das Wörtchen fa am Beginn der Phrase fa-hum la yu’minun die Bedeutung von „und deshalb“ hat („und deshalb glauben sie nicht“): damit wird gezeigt, dass der Mangel des Glaubens an spirituelle Wahrheiten eine Konsequenz davon ist, „halsstarrig die Wahrheit zu leugnen“. Positiv ausgedrückt gipfelt dies in der Behauptung, dass der Glaube an jegliche ethische Vorschreibungen auf jemandes Bereitschaft gründet, sie aufgrund ihres Nutzens zu beachten und die Wahrheit in Übereinstimmung mit anderen, empirisch oder intellektuell erfahrenen Wahrheiten zu bekennen, welche der eigene Ver¬stand als solche beurteilt. Was den Ausdruck alladhina kafaru betrifft, so will der Gebrauch des Imperfekt, wie so oft im Qur’an, das Element der Absicht hervorheben und wird daher von mir durchgehend – wann immer der Kontext dies zulässt – mit „jene, welche die Wahrheit zu leugnen pflegen (oder „versessen darauf sind, … zu leugnen)“ übertragen (siehe auch erste Anmerkung zu 2:7).

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