Muslimwelt

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Holländische Provokationen

Posted by muslimwelt - April 1, 2008

hetzern.jpgMurat Kurt: Was ist bloß los in den Niederlanden? Flammt im Lande die Ausländerfeindlichkeit auf, wie in einigen anderen europäischen Staaten? Wenn früher von Holland die Rede war, dachte man an Tulpen, Windmühlen oder Dämme. Heute verbindet man mit den Niederlanden leider nur noch Ausländer- und Islamfeindlichkeit. Was ist bloß in den Niederlanden geschehen, dass es zu solch einer Veränderung gekommen ist?

Auch in Holland hat nach dem 11. September ein Sinneswandel stattgefunden. Jedoch ist es treffender, von einer unterschwelligen Feindschaft eines Teils der niederländischen Bevölkerung gegenüber Fremden und anderen Wertvorstellungen zu sprechen. Dabei hat sicherlich auch das fehlerhafte Verhalten einiger Minderheiten seinen Beitrag zu dieser Feindschaft beigetragen.

Die feindliche Einstellung, die ein Teil der Bevölkerung hegt, haben in letzter Zeit Pim Fortuyn, Chef der Partei Leefbaar Nederland (LN) sowie der Filmemacher Theo van Gogh und die Abgeordnete Ayaan Hirsi Ali zum Ausdruck gebracht. Diese Einstellung verhalf bei den vergangenen Wahlen denjenigen, die sie auszunutzen wussten, sogar zu einem erheblichen Stimmenzuwachs. In unseren Tagen hingegen ist es der Vorsitzende der Partei für die Freiheit (PVV), Geert Wilders, der sich die Islamfeindlichkeit auf die Fahne geschrieben hat.

Pim Fortuyn, der durch radikale Äußerungen die Öffentlichkeit auf sich aufmerksam machte, wurde kurz vor den Parlamentswahlen im Jahre 2002 von einem holländischen Sozialisten getötet. Später veröffentlichte Theo van Gogh zusammen mit der aus Somalia stammenden Politikerin Ayaan Hirsi Ali einen Film mit dem Titel „Submission“, in dem nackte aber einen Gesichtsschleier tragende Frauen mit gezeigt wurden. Im November 2004 wurde Theo van Gogh von einem aus Marokko stammenden Jugendlichen attackiert und erschossen. Der Angreifer sagte aus, dass er ihn wegen des Films getötet habe. Währenddessen geriet die Abgeordnete Ayaan Hirsi Ali mit ihrer Partei „Volkspartei für Freiheit und Demokratie (VDD)“ in Zwist und entschied sich, in die USA auszuwandern.

Wilders Provokationen

Geert Wilders, der bei den vorherigen Wahlen als Abgeordneter der VDD kandidierte, trennte sich von seiner Partei, da diese die Gespräche mit der Türkei für einen möglichen EU-Beitritt befürwortete. Anschließend nahm er als Unabhängiger an den Wahlen 2006 teil und errang auf Anhieb 9 von 150 Sitzen im Parlament.

Geert Wilders, der bei jeder Gelegenheit seine Feindschaft gegenüber Ausländern, insbesondere Muslimen zum Ausdruck bringt, sagte in einer Rede im Februar: „Wenn die Muslime in Holland leben möchten, müssen sie die Hälfte des Korans wegwerfen.“ Später schlug er dem Parlament vor, Hitlers „Mein Kampf“ und den Koran verbieten zu lassen. Im November vergangenen Jahres gab er bekannt, dass er einen Film drehe, der „die gewalttätigen und faschistischen Züge der Religion der Muslime zeigt.“ Seit er sich auf der politischen Bühne befindet, reißen seine beleidigenden Äußerungen nicht ab. Wilders, der meint, dass das Problem der Islam selbst sei, das sie eine Religion der Gewalt sei, sagte über den Propheten folgende diffamierenden Worte: „Muhammad war ein gewalttätiger Mann. Der Koran ist zum größten Teil ein Buch der Gewalt. Wir müssen Muslime unterstützen, aber vorher müssen sie die Hälfte des Korans und ihres Glaubens verwerfen.“ Neben der Regierung haben viele muslimische und nichtmuslimische Bürgerinnen und Bürger die Äußerungen Wilders über den Koran verurteilt. Während dessen beschwerte sich Wilders, dass er und seine Ehefrau mehr als 600 Morddrohungen erhalten haben und weder Freiheit noch eine Privatsphäre besitzen.

Noch vor der Ausstrahlung war der 15-minütige Film auf große Kritik gestoßen. Der Rat der Muslime in Holland rief die Muslime dazu auf, mit Besonnenheit auf den als „rassistisch und faschistisch“ bezeichneten Wilders zu reagieren. Geert Wilders bemerkte, dass ihm die holländischen Verantwortlichen mitgeteilt haben, er müsse, wenn seine Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden könne, eventuell das Land verlassen. Währenddessen bereitete sich die Regierung auf die Reaktionen im Land sowie aus dem Ausland vor. Wilders, der immer noch Mordrohungen erhalte, steht unter Polizeischutz.

Ein Verbot des rassistischen Films ist bisher nicht verfügt worden. Die holländische Regierung hat aufgrund der Erwartung von Protesten alle Kommunen vor zu großer Aufmerksamkeit aufgerufen.

Der Außenminister Maxime Verhagen besuchte Geert Wilders persönlich, um ihn von der Ausstrahlung des Films abzubringen. In einer Erklärung des Außenministeriums hieß es, dass ein solcher Film für Wilders und sein Umfeld sehr gefährlich sein könnte. Außerdem wies er darauf hin, dass durch den Film das Ansehen der Niederlande im Ausland geschädigt werden könnte. Des Weiteren teilte auch das Verteidigungsminsiterium mit, dass man alles unternehme, um Wilders von seinem Vorhaben abzubringen. Doch Wilders war entschlossen, seinen Film im Fernsehen oder Internet zu veröffentlichen. Die Regierung hoffte, dass die landesweiten Fernsehsender den Film nicht ausstrahlen würden und hob hervor, dass in solch einem Fall der Film als ein Projekt der Regierung verstanden werden könnte. Der Sicherheitsdienst indes war der Meinung, dass, wenn der Film ausgestrahlt wird, es zu schlimmeren Verhältnissen kommen könnte als in Dänemark.

Den Vorwarnungen der Regierung folgend besuchten Bürgermeister die Moscheen und riefen die Muslime zu Besonnenheit und ausgewogenen Reaktionen auf. In diesem Sinne besuchte der Bürgermeister Amsterdams, Job Cohen, die Ayasofya Moschee, die größte Moschee der Islamischen Föderation Nordholland (Landesverband der IGMG in Niederlande) vor dem Freitagsgebet. Cohen sagte, dass er die Ansichten Wilders nicht teile, sie für gefährlich halte und auch, wenn man kein Wissen über den Inhalt des Filmes habe, es sich höchstwahrscheinlich um einen Film handele, der den Islam und die Muslime angreife. Bürgermeister Cohen rief die Muslime auf, sich ruhig zu verhalten und kein Verhalten an den Tag zu legen, die die Sicherheit gefährden könnte. Er fügte hinzu, dass die Polizei alarmiert sei und dass man zusammenarbeiten müsse, um eventuell juristisch gegen den Film vorgehen zu können. Letztenendes wurde der Film im Internet veröffentlicht.

 Doch es ist weder zu einer Krise wie in Dänemark gekommen noch ist irgendein unausgewogenes Verhalten zu beobachten. Das eigentliche Problem hierbei liegt in dem Faktum, dass ein nicht zu unterschätzender Anteil der Holländer diese radikalen Ansichten teilen. Es ist offensichtlich, dass, solange solche rassistischen Gedanken und Handlungen nicht wirksam und grundlegend bekämpft werden, nicht nur die Minderheiten darunter zu leiden haben werden, sondern auch die Zukunft der Niederlande gefährdet ist.(igmg)

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