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Zum islamischen Neujahr

Posted by muslimwelt - Januar 12, 2008

Am 9.01 begann nach muslimischem Kalender ein neues Jahr, das Jahr 1429 nach der Hidschra. Obwohl es sich hierbei um keinen islamischen Festtag handelt – die Feste im Islam sind mit dem Fest zum Ende des Ramadan und dem kürzlich gefeierten Opferfest im Monat Dhu-l-Hiddscha fixiert worden -, ist dieser Tag und das damit verbundene Ereignis, auf das die islamische Zeitrechnung zurückgeht, von großer Bedeutung.

Tatsache ist, dass der Beginn einer Zeitrechnung stets auf ein wichtiges, bedeutendes Ereignis zurückgeht, das sich den Menschen eingeprägt hat und als Bezugspunkt dient. Die verschiedenen Völker ließen ihre Zeitrechnung mit so einem Ereignis beginnen. Dies konnte die Geburt oder der Tod einer wichtigen Person sein, eine Naturkatastrophe, eine entscheidende Schlacht oder andere Dinge.

Die Christen beispielsweise lassen ihre Zeitrechnung mit der Geburt Christi beginnen, weil damit die Entwicklung des Christentums ihren Anfang nahm.

Die vorislamischen Araber bezogen ihre Zeitrechnung auf den Tod einer wichtigen Person, eines Stammespatriarchen zum Beispiel, oder auf ein einprägendes Ereignis, wie das der Elefanten, als der jemenitische König Ibraha mit einer auf Elefanten reitenden Armee nach Mekka aufbrach, um die Kaaba zu zerstören. Er scheiterte bekanntlich mit seinem Vorhaben; seine Armee wurde von Allah, dem Allmächtigen, zerstört.

„Hast du nicht gesehen, wie dein Herr mit den Leuten des Elefanten verfahren ist? Hat Er nicht ihre List mißlingen lassen und Vögel in Scharen über sie gesandt die sie mit brennenden Steinen bewarfen und sie dadurch wie abgefressene Saat gemacht?“ (Sure105.Der Elefant)

 

Für die Mekkaner war das ein einprägendes Ereignis, so dass sie fortan ihre Zeitrechnung darauf bezogen. Auch die Geburt unseres Propheten Mohammed (s.) wurde von diesem Ereignis aus berechnet.

Die islamische Zeitrechnung beginnt bekanntlich mit der Hidschra, dem Auszug des Propheten (s.) von Mekka nach Medina, nachdem er von den Stammesvertretern Medinas die zweite Bai’a (Eid) erhalten hatte, die so genannte Kriegs-Bai’a. Darin verpflichteten sich die medinensischen Stämme gegenüber dem Propheten (s.), ihm in allem zu gehorchen und ihn sowie den Islam notfalls mit dem eigenen Leben zu verteidigen.

Die Festlegung der Hidschra als Beginn der islamischen Zeitrechnung geht auf den zweiten Kalifen Umar Ibn Al-Khattab zurück. Der muslimische Historiker Al-Tabariy führt dazu in seinem Geschichtsbuch „Tarih al-Tabariy“ Folgendes aus:
Abu Musa Al-Asch’ariy schrieb an (den Kalifen) Umar: ‚Wir erhalten undatierte Briefe von dir und wissen nicht auf welchen Monat und auf welches Jahr sie sich beziehen.‘ […] Daraufhin versammelte Umar die Leute zur Beratung. Einige von ihnen meinten: ‚Datiere ab der Entsendung des Gesandten Allahs (s.).‘ Andere rieten ihm: ‚Datiere ab der Hidschra des Gesandten (s.) (nach Medina).‘ Da sagte Umar: ‚Wir datieren ab der Hidschra des Gesandten (s.). Seine Hidschra war die Scheidung zwischen Wahrheit und Unwahrheit. Dies geschah im Jahre 16 nach der Hidschra.

Umar entschied sich also, die Zeitrechnung nicht mit der Entsendung des Propheten Muhammad (s.) beginnen zu lassen, was eigentlich logisch gewesen wäre, und schon gar nicht mit seiner Geburt, sondern begann von der Hidschra an zu zählen, weil dies das entscheidende Ereignis für ihn und für viele andere Sahaba gewesen ist. So sagte er: „Seine Hidschra war die Scheidung zwischen Wahrheit und Unwahrheit.“

Tatsächlich war die Hidschra „die Scheidung zwischen Wahrheit und Unwahrheit“. Denn mit der Hidschra hat sich der Islam in einem Staat etabliert. Ab diesem Zeitpunkt war Muhammad (s.) nicht nur Prophet und Gesandter Allahs, sondern auch Oberhaupt des ersten islamischen Staates. Nun war er Prophet und Staatsmann in einer Person. Viele Suren des Koran und natürlich auch Hadithe des Gesandten (s.) befassen sich ab diesem Zeitpunkt mit der Gesetzgebung im wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Bereich.

In den zehn Jahren, die der Prophet (s.) bis zu seinem Tode in Medina verbrachte, entfaltete sich der Islam zu einer richtigen Lebensordnung, zu einer alle Bereiche umfassenden Ideologie. Dem zweiten rechtgeleiteten Kalifen Umar Ibn Al-Khattab, Allahs Wohlgefallen über ihn, war diese Tatsache offenbar bewusst. Deshalb entschied er sich ohne zu zögern, die Hidschra als Beginn der Zeitrechnung festzulegen. Und alle Muslime sind ihm darin gefolgt.

Genauso wie den Gefährten des Propheten (s.) sollte auch uns die Wichtigkeit dieses Ereignisses, dieser Zäsur in der islamischen Geschichte, bewusst sein. Mit der Hidschra begann die Implementierung des Islam, seine Umsetzung in allen Lebensbereichen. Dadurch ist dieses Ereignis für uns so wichtig geworden.

Und besser als Umar (r.) kann man es nicht auf den Punkt bringen:
„Seine Hidschra war die Scheidung zwischen Wahrheit und Unwahrheit.“(IP)

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