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Das Leben im Grab

Posted by muslimwelt - Januar 8, 2008

von Ahmad Sakr:Die Seele eines jeden Menschen verlässt seinen Körper im Augenblick des Todes. Jeder muss ins Grab gehen, bevor er in die Hölle oder ins Paradies gelangt (ausser dem Märtyrer; Anm.). So wie jeder im Körper seiner Mutter sein muss, bevor er auf die Erde kommt, genauso wird er dieses Leben verlassen, um ein neues Leben im Grab aufzunehmen. Der Qur’an informiert die Menschen eindeutig, dass sie aus Erde erschaffen wurden und dass sie dahin zurückgebracht und dann wieder aus ihr hervorgebracht werden am Tag der Auferstehung.

In Sure Ta Ha sagt Allah (s.w.t.) das folgende:

„Aus ihr (der Erde) haben Wir euch erschaffen, und in sie bringen Wir euch zurück, und aus ihr bringen Wir euch ein andermal heraus.“ (Qur’an 20:55)

Sobald die Seele den Körper verlässt, wird sie über dem Körper bleiben, bis er ins Grab gebracht wird (1). Die Seele wird über dem dahingeschiedenen Körper sein, sei es im Krankenhaus, in der Leichenhalle, in der Urne oder im Auto während einer Begräbnisprozession. Die Seele hört und sieht, aber sie kann nicht mit den Lebenden kommunizieren.

Wenn der Körper ins Grab gelegt wird, ist es zu empfehlen Dua zu lesen und die Verbundenheit des Dahingeschiedenen zu Allah auszudrücken (2). Das bedeutet, dass jemand zum Dahingeschiedenen sprechen und ihn ermutigen soll. Er (der Tote) wird darüber informiert (was geschieht) und daran erinnert, das Glaubensbekenntnis zu sagen oder was er (später) sagen soll, wenn die zwei Engel ins Grab kommen, um ihn zu befragen.

Die Seele geht in ihren „Aufbewahrungsort“, dies ist der Isthmus (Barzakh) (3). Jedoch muss erwähnt werden, dass die Seele vom Isthmus zurück zum Körper ins Grab geht. Das bedeutet, es gibt ein Leben im Grab. Dieses Leben ist ein Leben der Belohnung oder Bestrafung. Ein jeder wird von zwei Engeln befragt werden, deren Namen Munkar und Nakir sind. Die Menschen werden von diesen beiden Engeln befragt. Unter den zahlreichen Fragen werden auch die Fragen über den Glauben, die Absichten, die Taten, die Handlungen, Gott, die Religion, den Propheten usw. sein.

Das Leben im Grab ist ein seltsames Leben. Im dem Augenblick, wo der Körper hineinplaziert wird, hört der Tote die Schritte der Menschen, die ihn verlassen. Nachdem die zwei Engel ihn befragt haben, werden sie sein Gesicht nach rechts wenden, falls er belohnt wird. Sie werden ihn den Platz im Paradies zeigen. Im Gegensatz dazu wird bei denjenigen, die bestraft werden, das Gesicht nach links ausgerichtet.

Während der Zeit im Grab besucht die Seele den dahingeschiedenen Körper, welcher belohnt oder bestraft wird. Eines Tages besuchte der Prophet (s.a.w.) einen Friedhof und hörte die Personen, die in ihren Gräbern bestraft wurden. Einer wurde bestraft, weil er Gerüchte verbreitete, ein Anderer wurde bestraft, weil er seinen Körper nicht von Unreinheiten reinigte und eine andere Person wurde bestraft, weil sie sah, dass jemand Ungerechtigkeiten ausgesetzt war und sie nichts dagegen getan hat.

Diejenigen, die in dieser Welt gut sind, werden in ihren Gräbern belohnt. Ihnen wird von Allah (s.w.t.) versichert, dass ihnen Stärke und Glückseligkeit, sowohl im Grab, als auch im Jenseits gegeben wird. Es sollte erwähnt werden, dass niemand hören kann, was in den Gräbern geschieht. Der Qur’an erwähnt diese Tatsache, dass niemand hören kann was in den Gräbern passiert, außer Allah (s.w.t.). Es liegt nicht an der Sprache, sondern an der Art und Weise wie sich die Engel mit den Seelen der Einzelnen unterhalten.

In Sure Fatir sagt Allah folgendes:

„Und es sind nicht die Lebenden gleich und nicht die Verstorbenen, Allah lässt ja hören, wen Er will, und es ist nicht an dir, diejenigen hören zu lassen, die in den Gräbern sind.“ (Qur’an 35:22)

Allah will nicht, dass wir hören was in den Gräbern passiert, ansonsten wäre niemand bereit seine Liebsten zu beerdigen. Jedoch hat es Allah den Tieren, den Vögeln und dem anderen Vieh erlaubt zu hören, was in den Gräbern geschieht. Auch die Verstorbenen, die daneben liegen, hören, was um sie herum passiert. Deshalb ist es sehr zu empfehlen, dass Muslime in einem muslimischen Friedhof beerdigt werden. Wenn ein Muslim als Märtyrer stirbt, dann erhalten auch die (toten) Nachbarn einige Segnungen.

In anderen Begebenheiten hat der Prophet (s.a.w.) seine Gefährten darüber informiert, dass die Bestrafung im Grab folgende (Gruppen) treffen wird: die, die ihre Eltern schlecht behandeln; die tyrannischen Diktatoren; die, welche nicht das Pflichtgebet verichten; die, die nicht Zakat zahlen; diejenigen, welche nicht zur Hadsch gehen (4); diejenigen, die betrogen, gestohlen, gelogen haben usw. All das bedeutet, dass es ein (zeitlich) begrenztes Leben von Belohnung oder Strafe gibt, bevor das wirkliche Leben folgt, d.h. das Leben im Jenseits.

Anmerkungen des Übersetzers Abu Bakr Stark:

Die in Klammern geschriebenen Satzteile sind Ergänzungen des Übersetzers zum besseren Verständnis und zur besseren Lesbarkeit.

Fussnoten:

1) In anderen authentischen Überlieferungen wird berichtet, dass die Seele des Gläubigen bis zum 7. Himmel aufsteigt und dabei von Engeln begleitet wird. Ein schöner Geruch umhüllt die Seele des Gläubigen. Die Seele eines schlechten Menschen wird widerlichen Geruch ausströmen und die Tore des Himmels sind geschlossen für sie. Sowohl die Seele des Gläubigen, als auch die Seele des Ungläubigen kehrt dann ins Grab zurück und wartet auf die Befragung (siehe bspw. Albani Sahih al Jami‘ Nr. 1968)

2) Zum Beispiel ihn ermutigen die Shahada auszusprechen und zu betonen, dass dieses Glaubensbekenntnis ein „Lebensmotto“ des Gläubigen war, nachdem er sein Leben ausgerichtet hat.

3) Allah (s.w.t.) sagt im Qur’an: „Bis, wenn zu einem von ihnen das Sterben kommt, er sagt: ‚Mein Herr, schicke mich zurück. Damit ich vielleicht Rechtschaffenes tue mit dem, was ich zurückgelassen habe.‘ Keineswegs! Das ist eine Redensart, die er sagt, und hinter ihnen ist eine Barriere (Barzakh) bis zum Tag, wenn sie auferweckt werden“(Sure 23:99-100). Barzakh ist demnach so eine Art „Barriere“, welche die Lebenden und die Toten trennt. Ahmad Sakr verwendet das Wort „Isthmus“, was eigentlich im geographischen Sinn eine „Landenge“ ist, sozusagen zwischen dieser Welt und dem Paradies, bzw. Hölle.

4) Obwohl sie in der Lage dazu waren.

Quelle: http://www.tauhid.net/cyberlebenimgrab.html

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