Muslimwelt

Wissen schafft Frieden

Muslimwelt über die Islamische Ehre, den Karikaturenstreit und Selbstmordattentäter

Posted by muslimwelt - Januar 2, 2008

Herr Wermter von Koww´s Webblog hat einen Artikel zum obigen Titel veröffentlicht und mich um die Beantwortung der unten aufgeführten Fragen, gebeten. Dem komme ich gerne nach.

Bismi Allahi Arrahmani Arahim

Der Begriff der Ehre wird oft ins Spiel gebracht wenn man von Muslimen spricht. Da fallen einen gleich Begriffe wie Familienehre und im nächsten Atemzug Ehrenmorde ein.

 Was bedeutet überhaupt Ehre? Ehre bedeutet etwas zu achten und respektvoll mit dem was man ehrt, umzugehen. Man fühlt sich aber auch dazu berufen dem oder etwas, den/das Ehre gebührt zu schützen. Die Familie, der Zusammenhalt dieser und auch die Eltern haben im Islam einen sehr hohen Stellenwert.

 Bei der Ehre soll es nicht um das eigene Ego, den eigenen Stolz, wie es oftmals erscheint, gehen. Betrachtet man die Ehrenmorde, so geht es um das Prestige einer Familie. Der Täter fürchtet um das Ansehen, in seinen Bekanntenkreis, dass man mit dem Finger auf ihn zeigt. Im Islam gibt es aber nicht die rationale Vorstellung der Schuldübertragung. Gibt es einen Mörder in einer Familie, so trägt nur dieser allein die Schuld. Die Familie nimmt dadurch keinen Schaden. Beginnt das Volk nun Gerüchte um diese Familie in die Welt zu setzen, oder sie zu meiden. So ist dies Verleumdung, und ist absolut unislamisch. Die schlechte Rede wird im Islam nämlich sehr verachtet. Ebenfalls ist Demut und Dankbarkeit eine Tugend des Islam und nicht der Stolz. Auch ein uneheliches Kind(da ja die Ehe im Islam sehr wichtig ist) darf nicht in irgendeiner Weise verachtet oder zurückgesetzt werden. Nichts desto trotz geschehen Verbrechen im Namen der Ehre in bestimmten muslimischen Regionen der Welt, gehäuft. Die Grundlage ist aber nicht der Islam, sondern uralte archaische Traditionen, Familien und Ehrvorstellungen. In Italien sind bspw. Ehrenmorde auch bekannt. Religion unterliegt also im gemeinen Volk immer kulturellen Einflüssen.

 Das war ein kleiner Exkurs zum Ehrverständnis im Islam.

 Nun komme ich zu den 2 Fragen.

 Ich habe den Artikel zu den Fragen gelesen. Erstens möchte ich dir Recht geben, in dem Probleme in islamischen Ländern, oder innerhalb muslimischer Familien auch von Muslimen selbst gelöst werden müssen. Genauso ist es. Die Muslime brauchen Lösungen mit denen sie sich auch identifizieren können, und von Personen, denen sie auch Vertrauen. Die USA wird jedenfalls nicht den irakischen Bürgerkrieg beenden können. Muslim sein heißt nicht, dass man wissend über seine Religion ist, dagegen ist es seine Pflicht nach Wissen zu streben. Oftmals wird das Wissen der Eltern über Generationen weiter vererbt. So halten sich Traditionen sehr lange(ob nun unislamisch oder nicht). Der Islam vereinigt die Muslime über ihren Glauben, und hat somit einen großen Einfluss. Gerade deshalb kann der Islam Lösungen auch für viele Probleme der Muslime bieten. Würde man also auf islamische Weise den muslimischen Familien erklären, das Zwangsverheiratungen nicht islamisch sind und ebenso Ehrenmorde, wäre dieser Lösungsansatz sehr viel fruchtender, als irgendeine Fernsehdebatte, oder Aufklärungskampagne in der Schule, die sich allein an die Schüler richtet.

Die Kulturellen Unterschiede bei der Problemlösung dagegen muss man von Land zu Land sehr wohl berücksichtigen. Das haben schon die frühen Kolonialisten festgestellt. Man kann Probleme freilich nicht einfach der allgemeinen Kultur zuordnen, und das Problem somit ad acta legen. Man muss die Probleme aber im kulturellen Kontext lösen. Ich könnte also nicht durch die Verse zum Alkohohlverbot im Koran einen atheistischen Alkoholiker ins Gewissen reden, wie sie wohl genauso wenig einer überzeugten Muslima weiß machen könnten, ihr Kopftuch sei ein Zeichen der Unterdrückung.

 [..]Warum verletzt es einen Muslim in seiner Ehre wenn eine Karikatur von Mohammed gezeichnet wird, warum verletzt ein Kuschelbär mit “falschem” Namen die Ehre eines Muslimen?

Wie oben bereits erläutert haben die Eltern einen hohen Stellenwert, und werden sehr geehrt im islamischen Kulturkreis. Unser Prophet Mohammed, hat aber noch einen größeren Stellenwert im Islam.

Nach einem authentischen Hadith(Ausspruch des Propheten), überliefert bei Bukhari und Muslim, sagte der Prophet :“Keiner von euch glaubt (ist gläubig) bis er mich mehr liebt als seine Kinder, Eltern und alle Menschen.”Nach einem anderen Hadith bei Bukhari sagte er:

Keiner von euch glaubt (ist gläubig) bis er mich mehr liebt als sich selbst.

Wir ehren unsere Eltern, dass sie uns versorgten als wir schwach waren, doch unser Prophet war der Gesandte, der uns die Offenbarung brachte, und uns zur Rechtleitung aufrief. An dieser wollen wir fest halten, jeder andere Weg (zum Beispiel, in dem ich mich selbst mehr liebe) kann mich in die Irre führen.

Wir ehren ihn, und wir fühlen uns dazu verpflichtet ihn zu schützen, wenn man sein Wesen verleumdet. Er lebt schließlich nicht mehr, und kann sich selbst nicht wehren. Selbst ist es im Islam verpönt über Menschen schlecht zu reden, wenn sie verstorben sind.

Kommen wir nun zum Karikaturenstreit. Von welchen der Karikaturen ist jetzt die Rede? Von der, die den Propheten mit einer Bombe im Turban darstellt oder der, in der unser Prophet mit einen menschlichen Kopf und einen Hundekörper gezeigt wird. Nein dies sind nicht unsere Werte.

Das Ziel dieser Karikaturen an erster Stelle ist Verspottung einer ganzen Religionsgemeinschaft. Wenn man unseren Propheten mit einer Bombe im Kopf darstellt, degradiert man ihn zum Terroristen und es werden somit 1,3 Milliarden Muslime mit ihm zu Terrorfanatikern. Das ist eine Frechheit und üble Verleumdung.

So versucht man unseren Propheten Mohammed (Frieden sei mit Ihm) mit allen Mitteln zu erniedrigen, dann benutzt man am Ende ein Schutzschild unter den Namen der Meinungsfreiheit um alle Vorwürfe zu verteidigen.

Ja, warum benutzt man die Meinungsfreiheit, wenn es um die Beleidigung von Muslimen in der ganzen Welt geht?

Vor zwei Jahren  erregte die Serie Popetown“ auf MTV die Gemüter vieler Christen und hat einige Politiker tief ins Herz getroffen. Der Bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) forderte härtere Strafen und Sanktionen bei Gotteslästerung. Erst jetzt bewegen sich die Politiker und erkennen hier, dass die Meinungsfreiheit bei derben Beleidigungen doch Grenzen hat. Doch vorher bei unserem Propheten (Frieden sei mit ihm), standen alle für eine uneingeschränkte, verleumdende(selbst wenn Lügen dargestellt werden) Meinungsfreiheit ein. Was ist denn jetzt passiert? Also doch, jetzt auf einmal soll die Meinungsfreiheit nicht genutzt werden um Gotteslästerung zu üben und Heiligtümer zu beleidigen.

Wo soll uns dies alles hinführen, bis sie auch irgendwann unseren Propheten, wie sie es mit dem Papst getan haben, als transsexuellen in Unterhosen “Miss Kitty”, in einer Skulptur verewigt haben?

Nein, dieses alles sind nicht unsere Werte. Unsere Religion, der Islam verbietet uns diese Art oder Kultur  der Respektlosigkeit. Kritik kann man auch ohne Spott üben.

Ich finde es nur legitim, dass man sich im Fall des Karikaturenstreits dagegen wehrt, und die Grenzen der Verspottung aufzeigt.  Das gehört schließlich auch zur Meinungsfreiheit, dass man sich solche Verunglimpfungen nicht gefallen lassen braucht. Das die Situation in vielen islamischen Städten eskaliert ist, ist keine Frage. Es ist im Nachhinein bekannt geworden, dass es so genannte Scharfmacher unter den Muslimen gab, die die Stimmung angeheizt haben, und teilweise andere Karikaturen verbreitet haben. Andere haben nie die Karikaturen gesehen. Welchen Zweck und welche politischen Kräfte dahinter steckten, bleibt jedoch Spekulation.

Wie sagte schon der Orientalist W. Montgomery: Von all den bedeutenden Männern der Welt, ist keiner soviel beschimpft worden wie Muhammed.[1]

Im Fall des Teddybären namens Mohammed, habe ich bereits einen Artikel in meinen Blog verfasst. Link

Das die Menschen im Sudan diesen Vorfall als Beleidigung auffassten, liegt vor allem daran, dass es in islamisch geprägten Ländern generell unvorstellbar ist, Tieren menschliche Namen zu geben. Es handelt sich hier einfach um unterschiedliche kulturelle Eigenarten.

In Europa ist es dagegen normal, sogar heilige Namen seinen Tieren zu geben, wie der Hund namens Moses aus einem bekannten Film. Der Vorfall geschah in einem muslimischen Land, deshalb hat man es als Respektlosigkeit empfunden. Wenn sie jemand Schwein nennen will, und sie damit einverstanden sind, stört das keinen. Jeder hat seine Kultur.

Wahrscheinlich ist das alles nicht absichtlich geschehen, und die Lehrerin selbst hatte sich entschuldigt. Eine frühzeitige Rechtweisung seitens der Schulbehörde, hätte das Problem schnell gelöst, und die Sache wäre vergessen. Es ist mir dennoch ein Rätsel, warum diese Angelegenheit so hohe Wellen geschlagen hat.

Die Fernsehbilder zeigten einen wütenden Mob. Da fragt man sich echt, was man den Menschen dort überhaupt erzählt hat. Das Misstrauen gegenüber den Westen dort ist groß, es gibt hier wie dort Personen, die solche Vorfälle für ihre Zwecke instrumentalisieren und aufbauschen. Diese Möglichkeit sollte man auch in Betracht ziehen.

Es ist dennoch verständlich, dass Muslime es nicht in ihren Kulturkreis gutheißen, dass jemand einen Hund einen menschlichen Namen gibt.  Denn im islamischen Kulturkreis ist dies eine Beleidigung. Tiere haben bei uns ihre eigenen Namen. Wird dazu ein Name von unseren Propheten verwendet, ob Jesus oder Mohammed, oder gar Allah, so versteht man dies als eine Provokation. Die Menschen haben vielleicht halb informiert geglaubt, diese Frau wolle absichtlich ihre Kultur mit den Füßen treten, und indirekt unseren Propheten als Bären verspotten. Im Nachhinein hat sich heraus gestellt, dass die Lehrerin nach ihren Aussagen, sehr viel Respekt dem Land und der Kultur entgegenbringe. Hier wurde wohl doch vieles aufgebauscht. Die Bilder im Westen haben gewirkt, und die Strippenzieher ihr Ziel erreicht.

Noch vor kurzen existierte übrigens in Frankreich ein Gesetz, das verbot ein Schwein Napoléon zu nennen. Es gibt sicher auch in Europa Namen, die man nicht seinen Kindern oder Tieren antun möchte. Einen Jungen oder Hund Adolf oder Hitler zu nennen, versteht man hier sicher auch als arge und unangebrachte Provokation.

Es ist nun mal so, dass man hier in Europa und Übersee ein anderes Verständnis von Respekt und Kritik hat. Kritik überspannt oft den Bogen der Sachlichkeit, und es ist sowieso normal, über andere zu spotten oder auch zu lästern.

Das allein, Vermutungen, Gerüchte, Lästereien sind im Islam verpönt. Hier scheiden sich die Geister und man wird über die unterschiedlichen kulturellen Vorstellungen wohl nicht auf einen Nenner kommen.

Ich möchte gern mit dieser Frage  abschließen. Warum gibt es Menschen, die Spaß daran haben, mehr als 1 Milliarde Muslime zu verletzen und zu verärgern?

Warum verletzt es einen Muslim aber nicht in seiner Ehre, wenn sich ein Selbstmordattentäter auf einem Marktplatz im Namen Allahs in die Luft sprengt?[..]

Woher wissen sie, dass es uns Muslime nicht verletzt, wenn Selbstmordattentäter sich in die Luft sprengen? Selbstverständlich tut uns das weh. Diese Terroristen bekennen sich schließlich zum Islam, und töten Unschuldige, Kinder, und Muslime, selbst Moscheen werden nicht verschont. Vor ca. 2 Wochen hat sich ein Anschlag zum Freitagsgebet in einer Moschee in  Pakistan ereignet. Gegen wen richtete sich hier der Anschlag? – Muslime, die einfach nur ihr Gebet verrichten wollten. Sie sind keine Soldaten und kämpfen nicht gegen Armeen. Sie verbreiten Angst und Schrecken unter den Menschen, und unter uns Muslimen. Das Problem der Terroristen und vor allem die Hintergründe, sowie die Ursachen und Motive hinter den terroristischen Anschlägen sind sehr komplex, und bedürfen schon genauerer Betrachtung. Diese Menschen bezwingt man nicht mit Gewalt und auch nicht durch Demonstrationen im Aus- und Inland. Um etwas ihnen entgegen setzen zu können, muss man sie mit Argumenten bezwingen, mit ihrer eigenen Religion, man muss also etwas in ihren Köpfen bewegen. Dazu gibt es auch eine interessante Dokumentation. „Der Fanatiker und der Richter

 Wenn sie sich umfassend informieren möchten, dann müssen sie auch auf ausländische Medien zurückgreifen. Die deutsche Berichterstattung ist nicht wirklich bereichernd und zu einseitig in meinen Augen.

Wegen des Teddybärs, zeigten die Kameras vor allen auf die Demonstranten und Ausschreitungen. Sie sagen, wenn ein Selbstmordattentäter sein Unheil verbreitet halten wir still. Als sich der Anschlag in Marokko ereignete, gab es danach Proteste und Demonstrationen. Wo waren da die Kameras? Ach ja, das ist  nicht so interessant, wie ein Teddy namens Mohammed. Nach dem 11. September hat es ebenfalls zahlreiche Proteste in vielen islamischen Ländern der Welt gegeben. Ich will damit sagen, die Muslime tun das was ihren Möglichkeiten entspricht. Und viele tun eben auch nichts, wie das eben in jedem Land ist. Deutschland ist auch nicht gerade berühmt für seine Streitkultur. Man kann ebenfalls nicht die politische Freiheit, die man hier hat, lapidar auf andere islamische Länder übertragen. Dort herrschen andere Verhältnisse, und die Menschen sind mit Problemen beschäftigt, von denen sie wahrscheinlich nicht mal träumen werden. Es ist viel einfacher wegen eines Fehlers einer ausländischen Person auf die Straße zu gehen, als eben mal die politischen Missstände im eigenen Land anzukreiden.

 Welche Ehre haben Selbstmordattentäter? Sie kennen keinen Respekt vor ihren Brüdern, noch vor ihren Gotteshäusern. Das Wort Demut ist ihnen fremd. Sind sie nicht von ihrer Weltsicht so überzeugt, dass sie kein Widerwort dulden? Noch wollen sie mit uns muslimischen Brüdern gemeinsam auf den rechten Weg gehen. So das wir uns gegenseitig zum Guten ermahnen, und das schlechte verneinen.

 Doch Bomben, nein, die haben keine Worte.

 „… wer einen Menschen tötet, ohne dass dieser einen Mord begangen oder Unheil im Lande angerichtet hat, wie einer sein soll, der die ganze Menschheit ermordet hat. Und wer ein Leben erhält, soll sein, als hätte er die ganze Menschheit am Leben erhalten. …“(Quran, 5:32)

 Muslimwelt

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Eine Antwort to “Muslimwelt über die Islamische Ehre, den Karikaturenstreit und Selbstmordattentäter”

  1. koww said

    Danke für die Antwort

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