Muslimwelt

Wissen schafft Frieden

Das moralische System des Islam

Posted by muslimwelt - Dezember 14, 2007

calig49.jpgDer Qur’an hat gewisse allgemeingültige grundlegende Richtlinien für die Menschheit als ganzes aufgestellt, welche unter allen Umständen zu befolgen und zu respektieren sind. Um diese Richtlinien einzuhalten, sah der Islam nicht nur gesetzliche Sicherheiten, sondern auch ein sehr wirkungsvolles moralisches System vor. Demgemäß ist, was auch immer zum Wohlergehen des Einzelnen oder der Gesellschaft führt, im Islam moralisch gut und alles Schädliche moralisch schlecht. Der Islam legt der liebe zu ALLAH und der Liebe zu Menschen so viel bei, daß er vor zuviel Formalismus warnt. Wir lesen im Qur’an:

Es ist keine Frömmigkeit, wenn ihr eure Angesichter in Richtung Osten oder Westen wendet; Frömmigkeit ist vielmehr, daß man an Allah glaubt, den Jüngsten Tag, die Engel, das Buch und die Propheten und vom Besitz – obwohl man ihn liebt – den Verwandten gibt, den Waisen, den Armen, dem Sohn des Weges, den Bettlern und (für den Freikauf von) Sklaven, daß man das Gebet verrichtet und die Zakah entrichtet. Es sind diejenigen, die ihr Versprechen einhalten, wenn sie es gegeben haben; und diejenigen, die in Elend, Not und in Kriegszeiten geduldig sind; sie sind es, die wahrhaftig und Gottesfürchtig sind. (2:177)

Uns wird in dieser Ayah eine schöne Beschreibung des rechtschaffenen und ALLAHesfürchtigen Menschen gegeben. Er soll heilsamen Vorschriften gehorchen, seinen aufmerksamen Blick soll er über auf die Liebe zu ALLAH und auf die Liebe zu seinen Mitmenschen richten.

Wir erhalten vier Hauptpunkte:

a. Unser Bekenntnis soll wahrhaftig und aufrichtig sein.

b. Wir müssen es durch hilfreiche Taten anderen gegenüber immer unter Beweis stellen.

c. Sowohl im Gebet als auch in der Hilfe für andere sollten wir uns nach Möglichkeit mit Gleichgesinnten zusammentun.

d.

Unsere Standhaftigkeit und Geduld sollen sich vor allem bei drei Gelegenheiten bewähren: bei körperlichen Schmerzen oder Leiden, bei jeder Art Not und in Zeiten öffentlicher Drangsal.

Das ist der Maßstab, mit dem die einzelnen Verhaltensweisen beurteilt und in gut oder schlecht eingeteilt werden. Dieser Maßstab der Beurteilung stellt den Kern dar, um den sich das gemeinsame moralische Verhalten dreht.

Bevor der Islam irgendwelche ausdrücklichen Befehle aufstellt, erstrebt er tief in das Herz des Menschen die Überzeugung einzupflanzen, daß sich sein Tun vor ALLAH abspielt. Der ihn jederzeit und allerorten sieht; daß er sich vor allen Menschen verstecken kann, nicht aber vor ALLAH; daß er jeden täuschen kann, niemals aber ALLAH; daß er aus dem Griff von jemandem anderen entfliehen kann, nicht aber aus dem Gottes.

Dadurch, daß er das Erlangen des Wohlgefallen Gottes zum Zweck des menschlichen Daseins erklärt, zeigt der Islam die höchstmögliche Norm sittlichen Verhaltens auf. Dies schafft zwangsläufig eine endlose Zahl von Möglichkeiten für die moralische Entfaltung der Menschheit.

Die Betrachtung der göttlichen Offenbarung als die Hauptquelle des Wissens gibt den moralischen Normen Beständigkeit und Stabilität, wobei zwar ein angemessener Spielraum für wahre Bearbeitungen, Anpassungen und Neuerungen, nicht aber für Verdrehungen, willkürliche Veränderungen, aufgelösten Relativismus oder moralische Haltlosigkeit. Der Islam verschafft in der Liebe zu und in der Furcht vor ALLAH eine innere Bindung zum sittlichen Verhalten, die den Menschen antreibt, auch ohne irgendwelchen Zwang von außen Folge zu leisten. Durch den Glauben an ALLAH und an den Tag des Gerichts gewährt der Islam eine Kraft, die es einer Person ermöglicht, sich ernsthaft und aufrichtig mit tiefer Frömmigkeit des Herzens und der Seele, um das sittliche Verhalten zu bemühen.

Der Islam liefert weder irgendwelche ungewöhnlichen moralischen Tugenden durch einen falschen Sinn für Selbständigkeit und Neuerung, noch sucht er die Bedeutung der allgemein anerkannten Normen der Moral herabzusetzen oder einigen übertrieben Bedeutung beizumessen und andere grundlos zu vernachlässigen. Vielmehr greift er alle allgemein anerkannten Tugenden auf und weist jeder von ihnen, mit einem Sinn für Ausgewogenheit und Wirklichkeit, den passenden Platz und die für sie zutreffende Funktion im gesamten Lebensplan zu. Er erweitert den geistigen Horizont des individuellen und des gemeinschaftlichen Lebens des Menschen – seine häuslichen Beziehungen, sein Verhalten als Mitglied der Gesellschaft und seine Aktivitäten auf politischem, wirtschaftlichem, juristischem, erzieherischem und sozialem Gebiet. Er erstreckt sich von zu Hause bis hin zur Gesellschaft, vom Eßtisch bis zu den Schlachtfeldern und den Friedenskonferenzen, buchstäblich von der Wiege bis zur Bahre. Kurz, kein Lebensbereich ist von der allumfassenden Anwendung der Islamischen Moralgrundsätze ausgenommen. Der Islam gibt dem sittlichen Verhalten die höchste Bedeutung und gewährleistet, daß die Angelegenheiten des täglichen Lebens statt von egoistischen Zielen und untergeordneten Belangen beherrscht zu sein, durch Moralgrundsätze reguliert sein sollten Der Islam sieht für die Menschen eine Lebensweise vor, die auf dem Guten begründet und von allem Übel frei ist. Er veranlaßt die Menschen nicht nur, Tugend zu praktizieren, sondern die Tugend auch durchzusetzen und Untugend auszurotten. Gutes zu gebieten und Verwerfliches zu verbieten. Nach dem Willen des Islam soll das Urteil des Gewissens die Oberhand gewinnen und die Tugend darf nicht unterdrückt und nach dem Übel die Nebenrolle spielen. Diejenigen, die diesem Ruf folgen sind in einer Gemeinschaft (Ummah) zusammengeschlossen und werden Muslime genannt. Und das einzige Ziel, das der Gründung dieser Gemeinschaft zugrunde liegt ist, daß sie eine organisierte Anstrengung unternehmen sollte, um die Tugend durchzusetzen und geltend zu machen, und das Übel zu verwehren und auszurollen.

Wir führen an dieser Stelle einige grundlegende Sittenlehren des Islam an, die verschiedene Aspekte des Lebens eines Muslims betreffen. Sie decken die umfangreiche Palette des persönlichen sittlichen Verhaltens eines Muslims sowie seine sozialen Verantwortungen.

Die Gottesfürchtigkeit

ALLAH erwähnt sie im Qur’an als die beste Eigenschaft eines Muslims:

Der am meisten Geehrte von euch vor Allah ist der Gottesfürchtigste unter euch…(49:13)

Bescheidenheit, Sittsamkeit, Beherrschung der Leidenschaften und Begierden, Wahrhaftigkeit, Rechtschaffenheit, Standhaftigkeit und das Halten des Versprechens sind sittliche Werte, die im Qur’an immer wieder betont werden. Wir lesen im Qur’an:

Und Allah liebt die Geduldigen. (3:146)

Und wetteifert nach der Vergebung eures Herrn und nach einem Garten, dessen Breite der von Himmel und Erde entspricht, der für die Gottesfürchtigen vorbereitet ist, die da spenden in Freud und Leid und den Groll unterdrücken und den Menschen vergeben. Und Allah liebt die Rechtschaffenen. (3:133 und 134)

Luqman sprach im Qur’an zu seinem Sohn ermahnend:

„O mein Sohn, verrichte das Gebet und gebiete Gutes und verbiete Böses und ertrage geduldig, was dich auch treffen mag. Das ist wahrlich eine Stärke in allen Dingen. Und weise den Menschen nicht verächtlich deine Wange und schreite nicht ausgelassen (in Übermut) auf Erden; denn Allah liebt keine eingebildeten Prahler. Und schreite gemessenen Schrittes und dämpfe deine Stimme; denn wahrlich, die widerwärtigste der Stimmen ist die Stimme des Esels.“ (31:17-19)

In einer Art und Weise die das sittliche Verhalten eines Muslims zusammenfaßt, sagt das schöne Vorbild der Muslime, der Prophet Muhammad (a.s.s.):

Mein Erhalter hat mir neun Anweisungen gegeben: Gottesfürchtig zu bleiben, sowohl heimlich als auch öffentlich; gerecht zu sprechen, sei es im Zustand des Ärgers oder der Zufriedenheit bescheiden zu sein. Ob Reich oder arm; Verbindung herzustellen mit denen, die ihre Beziehung zu mir abgebrochen haben; dem zu geben. der mich zurückgewiesen hat; daß mein Schweigen (mit) Denken (begleitet sein soll); daß mein Blick (für mich) eine Ermahnung (sein soll); und daß ich, was rechtens ist, befehle.

Die sozialen Verpflichtugen

Die Lehren des Islam, die die sozialen Verpflichtungen betreffen, beruhen auf Güte und auf der Berücksichtigung der anderen Menschen. Da ein allgemeiner ausdrücklicher Befehl gütig zu sein, in bestimmten Situationen offenbar ignoriert wird, betont der Islam bestimmte Handlungen der Güte und definiert die Verpflichtungen und die Rechte verschiedener Beziehungen. Im erweiterten Kreis der Beziehungen ist unsere erste Verpflichtung gegenüber unserer unmittelbaren Familie – Eltern, Ehemann oder Ehefrau und Kindern, dann gegenüber anderen Verwandten. Nachbarn, Freunden und Bekannten, Waisen und Witwen, den Bedürftigen der Gemeinschaft, den Muslimen, allen Menschen und den Tieren.

Eltern

Achtung vor den Eltern und Fürsorge für sie sind nachdrücklich betont im Islam und bilden einen wichtigen Teil des Ausdrucks des Glaubens eines Muslims.

Und dein Herr hat befohlen: „Verehrt keinen außer Ihm, und (erweist) den Eltern Güte. Wenn ein Elternteil oder beide bei dir ein hohes Alter erreichen, so sage dann nicht »Pfui!« zu ihnen und fahre sie nicht an, sondern sprich zu ihnen in ehrerbietiger Weise . Und senke für sie in Barmherzigkeit den Flügel der Demut und sprich: »Mein Herr, erbarme Dich ihrer (ebenso mitleidig), wie sie mich als Kleines aufgezogen haben. (17:23 und 24)

Andere Verwandte

Und gib dem Verwandten, was ihm gebührt, und ebenso dem Armen und dem Sohn des Weges, aber sei (dabei) nicht ausgesprochen verschwenderisch. (17:26)

Nachbarn

Der Prophet Muhammed (a.s.s) hat gesagt:

Derjenige ist kein Gläubiger, der sich satt ißt, während sein Nachbar Hunger leidet.

Und er sagte auch:

Derjenige glaubt nicht, dessen Nachbarn vor seinen Missetaten nicht sicher sind.

Gemäß dem, was im Qur’an und in der Sunnah des Propheten Muhammad (a.s.s ) steht, hat ein Muslim seine moralische Verantwortung nicht nur gegenüber seinen Eltern. Verwandten und Nachbarn nachzukommen, sondern gegenüber allen Menschen, Tieren und nützlichen Pflanzen. Es ist zum Beispiel nicht erlaubt, Vögel und Tiere zum Zweck des Spieles zu jagen. Genauso ist es nicht gestattet Bäume zu fällen oder Pflanzen zu vernichten, die Früchte liefern oder nützlich sind, es sei denn, es liegt ein sehr dringender Bedarf für diese Handlung vor.

Der Islam bildet hinsichtlich der sittlichen Grundmerkmale ein höheres sittliches Dasein, dessen wirksame Kraft in der Lage ist, der Menschheit zur Ausnutzung ihrer größten Möglichkeiten zu verhelfen. Der Islam reinigt die Seele vom selbstsüchtigem Egoismus. Tyrannei, Scham- und Disziplinlosigkeit. Er bildet gottesfürchtige Menschen, die sich ihren Idealen widmen, mit Frömmigkeit. Enthaltsamkeit und Disziplin, die mit der Unaufrichtigkeit unversöhnlich sind. Er führt zu den Gefühlen der sittlichen Verantwortung und fördert die Fähigkeit zur Selbstbeherrschung. Der Islam ruft zu Güte, Großmut, Barmherzigkeit, Anteilnahme. Frieden, selbstloser Gefälligkeit, gewissenhafter Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit gegenüber der gesamten Schöpfung und in allen Situationen auf. Er nährt noble Eigenschaften, von denen nur Gutes zu erwarten ist.

Quelle: WAMY, Nr: 5

Quelle: http://www.enfal.de/grund7.htm

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