Muslimwelt

Wissen schafft Frieden

Über die Bedeutung der Moschee

Posted by muslimwelt - Dezember 4, 2007

Ali Mete: Im Gegensatz zu dieser Differenzierungstendenz der Funktionalitäten der Moscheen, die in der islamischen Welt zu beobachten ist, haben die Moscheen in Deutschland aufgrund des Bedarfs der hiesigen Muslime die Chance, dem Vorbild der „Masdschid an-Nabawî“ folgend, als multifunktionale Zentren zum Einsatz zu kommen.

 

Die Moschee in der islamischen Geschichte

 

In ei­ner Brosc­hü­re über di­e Mosc­he­e steht, dass ei­ne Mosc­he­e we­ita­us mehr als ein arc­hi­tek­to­nisc­hes Kuns­twerk ist. Si­e symbo­li­sie­re di­e Gesc­hich­te, Le­ben­sa­uf­fas­sung und Wel­tans­chau­ung des Is­lams, wes­halb man bei der Mosc­he­e von ei­ner physisc­hen Ma­ni­fes­ta­ti­on des Is­lams sprec­hen kön­ne. In­wi­ewe­it di­es auch für di­e he­uti­gen Mosc­he­en Deutsc­hlands zut­rifft, welc­he Ei­genschaf­ten und Funk­tio­nen ei­ne deuts­che Mosc­he­e hat, ha­ben kann und auf welc­hen his­to­risc­hen und the­olo­gisc­hen Grund­la­gen die­se ba­sie­ren, soll in die­sem Be­it­rag erör­tert wer­den.

 

Das Wort „Mosc­he­e“ wur­de an das ägytisch-ara­bisc­he „mas­gid”, im Hoc­ha­ra­bisc­hen „masds­chid”, an­ge­lehnt, das wi­ede­rum vom ara­bisc­hen „suds­chûd“ ab­ge­lei­tet wur­de und den Ort der Nie­der­wer­fung meint. Der vor­wie­gend im Tür­kischen gebräuch­lic­he Beg­riff „Dschâ­mî“, aus dem ara­bisc­hen „dscham“ (ver­sam­meln, zu­ei­nan­der brin­gen), be­ze­ich­ne­te frü­her di­e zen­tra­le Mosc­he­e ei­ner Stadt, in der das wöc­hent­lic­he Frei­tags­ge­bet ab­ge­hal­ten wur­de. Mit dem Wach­stum der Städte wur­de während der Herrs­chaft der Umaj­ja­den di­e Er­rich­tung meh­re­rer Frei­tags­mosc­he­en er­for­der­lich, so dass der Un­ters­chi­ed zwisc­hen „Dschâ­mî“ und „Masds­chid“ re­la­ti­vi­ert wur­de. So kommt es, dass egal ob „Dschâ­mî“ oder „Masds­chid“ ge­nannt, in al­len Mosc­he­en De­utsc­hlands das Frei­tags­ge­bet statt­fin­det. Im Ko­ran und den Ha­dît­hen wird je­doch nur der Beg­riff „Masds­chid“ ver­wen­det.

 

Di­e ers­te Mosc­he­e der Welt war di­e Kâ­ba und wur­de von Sei­ten des Prop­he­ten Adam er­ba­ut. So he­ißt es im Ko­ran: „Sie­he, das ers­te für die Mensc­hhe­it er­rich­te­te Ha­us war das in Bak­ka (ge­me­int ist Mek­ka) – ge­seg­net und ei­ne Lei­tung für al­le Welt.“ [3:96]

 

Da­rü­ber hi­na­us wird vom Ge­sand­ten Got­tes Mu­ham­mad (saw) über­li­e­fert, dass di­e ers­te Mosc­he­e auf der Welt di­e „Masds­chid al-Ha­râm“, al­so di­e Kâ­ba in Mek­ka, und di­e zwei­te di­e „Masds­chid al-Ak­sa“ in Kuds (Je­rus­la­em) se­i.1 Di­e ers­te von ei­nem Mus­lim zur Ze­it des Ge­sand­ten Got­tes er­rich­te­te Mosc­he­e ist, la­ut Ib­ni Hisc­hâm, ei­nem der wich­tigs­ten Bi­og­rap­hen Mu­ham­mads (saw), di­e – wenn auch private – Mosc­he­e Abû Bakrs in Mek­ka, di­e er vor­wie­gend für di­e Verrichtung der Ge­be­te und di­e Re­zita­ti­on des Ko­rans be­nutz­te.2 Obwohl sich di­e Baj­tul­lâh (das Haus Got­tes) in Mek­ka be­fand, muss­ten di­e ers­ten Mus­li­me auf solc­he al­ter­na­ti­ven Räum­lich­kei­ten auswe­ic­hen, um den Rep­res­sa­li­en zu ent­ge­hen, denen si­e vor der Aus­wan­de­rung aus­ge­lie­fert wa­ren.

 

Kei­ne die­ser Mosc­he­en hat­te je­doch di­e his­to­risc­he Vor­bildfunk­ti­on für di­e nach­fol­gen­den Mosc­he­en welt­we­it, so dass di­e „Masds­chid an-Na­ba­wî“, di­e Prop­he­ten­mosc­he­e, des­sen Er­rich­tung ei­ne der ers­ten Tätig­kei­ten des Ge­sand­ten Got­tes nach sei­ner An­kunft in Me­di­na war, zum Pro­totyp der Mosc­he­e wur­de.

 

Di­e „Masds­chid an-Na­ba­wî“ hat­te un­ter an­de­rem er­zi­ehe­risc­he, ju­ris­tisc­he, mi­litärisc­he, po­li­tisc­he, kul­tu­rel­le und ad­mi­nis­tra­ti­ve Funk­tio­nen in­ne. Der Grund hi­er­für war nicht zu­letzt di­e Tat­sac­he, dass Mu­ham­mad (saw), des­sen Wohnstätte sich di­rekt bei der Mosc­he­e be­fand, die­se Funk­tio­nen in sich ve­re­in­te, wo­bei es selbs­tverständlich ist, dass heu­te nicht al­le Funk­ti­ons­mög­lich­kei­ten übe­rall aus­ge­übt wer­den kön­nen und müs­sen.

 

Wi­e ein­gangs schon erwähnt, be­ze­ich­net „Masds­chid“ den Ort der Nie­der­wer­fung, wo­mit auch die grund­le­gen­de Funk­ti­on ei­ner Mosc­he­e ge­nannt ist. Di­e Mosc­he­e ist der Ort des per­sön­lic­hen oder ge­me­ins­chaft­lic­hen Ge­bets, wi­e fol­gen­de Ver­se ver­de­ut­lichen:

 

„… In den Häusern, de­ren Er­rich­tung Al­lah er­la­ubt hat, da­mit dort Sei­nes Na­mens ge­dacht wer­de …“ [24:36]

 

„… Und hätte Al­lah nicht di­e einen Mens­chen durch di­e an­de­ren ab­ge­wehrt, wären (vie­le) Klös­ter, Kirc­hen, Syna­go­gen und Mosc­he­en, in de­nen Al­lahs Na­me häufig ge­dacht wird, bes­timmt zers­tört wor­den. …“ [22:40]

 

„Und als Wir das Ha­us zu ei­nem Ver­samm­lung­sort für di­e Mens­chen und ei­nem Asyl mach­ten und (sprachen:) »Nehmt Ab­ra­hams Stätte zum Ort des Ge­bets« und Wir Ab­ra­ham und Is­ma­el verp­flich­te­ten: »Rei­nigt me­in Ha­us für di­e es Um­wan­deln­den und da­rin Ver­we­ilen­den und di­e sich Beu­gen­den und Nie­der­wer­fen­den.«“ [2:125]

 

Vi­el­le­icht um die­se urs­prüng­lic­he Ei­gens­chaft als Ort der Nie­der­wer­fung zu un­ters­tre­ic­hen, vi­el­le­icht aber auch, we­il das ge­me­in­sa­me Ge­bet di­e Ver­samm­lung not­wen­dig macht, wird im Ko­ran nur der Beg­riff „Masds­chid“ be­nutzt. Da­bei spie­len ne­ben dem fünf­ma­li­gen täglic­hen Ge­bet, di­e man auch al­le­in ver­rich­ten kann, di­e zwin­gend in der Ge­me­ins­chaft in ei­ner Mosc­he­e zu ver­rich­ten­den Ge­be­te am Frei­tag und an den bei­den Fe­ier­ta­gen ei­ne di­e Ge­me­ins­chaft­lich­ke­it för­dern­de Rol­le.

 

La­ut ei­nem Ha­dîth stellt der Ge­sand­te Got­tes den Er­werb von Wis­sen vor das Ge­den­ken Got­tes.3 Die­se und an­de­re Auss­prüc­he und Prak­ti­ken Mu­ham­mads (saw) wa­ren aussc­hlag­ge­bend da­für, dass di­e Mosc­he­e von An­fang an zur Ver­mitt­lung der Leh­re des Is­lams di­en­te. Während es da­bei zu An­fang vor­ran­gig um di­e Ver­mitt­lung von Ko­ran und Ha­dîth ging, wur­den später Dich­tung, Sprac­he und so­gar prak­tisc­he Me­di­zin Ge­gens­tand der Un­ter­wei­sung in der Mosc­he­e.

 

Man kann sa­gen, dass al­le be­deuten­den Per­sön­lich­kei­ten des Islams ih­re Aus­bil­dung in den Mosc­he­en an­ge­fan­gen und fort­ge­führt ha­ben. Die­se Tätig­ke­it wur­de ent­we­der in den Mosc­he­en oder den Ein­rich­tun­gen, di­e später an di­e Mosc­he­e an­ge­ba­ut wur­den, durc­hge­führt. Zu die­sen Ein­rich­tun­gen ge­hö­ren zwe­ifel­soh­ne di­e Bib­li­ot­he­ken, di­e frü­her nicht nur Büc­her be­züg­lich der Leh­re des Islams, son­dern vie­le an­de­re Fach­be­re­ic­he um­fass­ten.

 

Au­ßer die­sen bei­den zen­tra­len Funk­tio­nen als Ort des Ge­bets und der Er­zie­hung, di­e in der ei­nen oder an­de­ren Form in je­der Mosc­he­e vor­zu­fin­den sind, hat­te di­e Mosc­he­e je nach Ze­it, Ort und Ums­tand vers­chie­de­ne an­de­re Funk­tio­nen in­ne. Zu Lebzeiten des Ge­sand­ten Got­tes Zeitweise di­en­te si­e sogar als Ort der Rechts­sprec­hung, später wurden in ihr sta­at­lic­he Ak­te wi­e di­e An­tritt­srede ei­nes neu­en Herrs­chers ge­hal­ten und Dip­lo­ma­ten emp­fan­gen. Ze­it­wei­se di­en­te sie so­gar als Schatz­kam­mer.

 

Da di­e Mosc­he­e für im­mer mehr Auf­ga­ben ge­nutzt wur­de, setz­te ein Dif­fe­ren­zi­erungs­pro­zess ein, der nicht nur ei­ne räum­lic­he, son­dern auch in­halt­lic­he Tren­nung mit sich brach­te. Die­ser Pro­zess, der in vers­chi­ede­nen Re­gio­nen zu vers­chi­ede­nen Zei­ten be­gann, führ­te da­zu, dass di­e Mosc­he­e zum Ort der re­li­giö­sen Pra­xis re­du­zi­ert wur­de. Da­mit wird aber di­e Ganz­he­it­lich­ke­it der Leh­re gefährdet, denn der Is­lam ist nicht nur auf das jen­se­iti­ge Wohl, son­dern auf ein Gle­ich­ge­wicht zwisc­hen Di­es­se­its und Jen­se­its be­dacht. Gemäß der Tat­sac­he, dass der Is­lam ei­ne Har­mo­ni­e zwisc­hen Ge­is­ti­gem und Welt­lic­hem zu er­rich­ten ver­sucht, ist auch di­e Mosc­he­e der Ort, an dem welt­lic­hes und ge­is­ti­ges/re­li­giö­ses Le­ben statt­fin­det und ke­in sak­ra­ler Ra­um im Sin­ne ei­ner Kirc­he. Di­es ist auch der Grund da­für, dass di­e Mosc­he­e Zen­trum und Aus­gangs­punkt vie­ler Auf­ga­ben im Be­re­ich der Er­zie­hung, der Jus­tiz, der Ver­wal­tung, der Po­li­tik, der Kunst usw. war und im­mer noch se­in kann. Die­se Funk­tio­nen der Mosc­he­e konn­ten und ha­ben sich je nach Be­darf, Ze­it und Ort verändert, da di­e Mosc­he­e kei­ne Hei­lig­ke­it be­sitzt, son­dern eher prak­tisc­hen Zie­len di­ent. Di­e Mosc­he­e si­e je­doch im­mer noch die be­de­utend­ste un­ter den is­la­misc­hen Ins­ti­tu­tio­nen.

 

 

Di­e Mosc­he­e in der Ge­gen­wart

 

Im Ge­gen­satz zu die­ser Dif­fe­ren­zie­rung­sten­denz der Funk­ti­ona­litäten der Mosc­he­en, di­e in der is­la­misc­hen Welt zu beo­bach­ten ist, ha­ben di­e Mosc­he­en in De­utsc­hland auf­grund des Be­darfs der hi­esi­gen Mus­li­me die Chan­ce, dem Vor­bild der „Masds­chid an-Na­ba­wî“ folgend, als mul­ti­funk­tiona­le Zentren zum Ein­satz zu kom­men. Im Fol­gen­den soll des­halb auf die Auf­ga­ben und Pers­pek­ti­ven deutscher Mosc­he­en ein­ge­gan­gen wer­den.

 

Je­de Mosc­he­e in De­utsc­hland er­füllt min­des­tens drei Auf­ga­ben: Si­e ist Ort des Ge­bets, Ort der Kul­tur und Ort der Er­zie­hung.

 

Wi­e be­re­its erwähnt, die­nen Mosc­he­en in ers­ter Li­ni­e zur Ver­rich­tung der Ge­be­te, wo­zu das täglic­he fünf­ma­li­ge Ge­bet, das wöc­hent­lic­he Frei­tags­ge­bet und die bei­den Fe­ier­tags­ge­be­te zählen. Die­se wer­den aus­nah­ms­los in je­der Mosc­he­e in De­utsc­hland ver­rich­tet. Da der Is­lam auch auf das Di­es­se­its be­dacht ist, ha­ben al­le Got­tes­di­ens­te ei­nen welt­lic­hen Nut­zen. Es wird aus­drück­lich emp­foh­len, di­e täglichen Ge­be­te, di­e auch al­lei­ne zu­hau­se ab­ge­hal­ten wer­den kön­nen, ge­me­ins­chaft­lich in der Mosc­he­e zu ver­rich­ten. Das Frei­tags­ge­bet so­wi­e di­e Fest­tags­ge­be­te hin­ge­gen kön­nen nur in der Ge­me­ins­chaft ab­ge­hal­ten wer­den. Je­den­falls ist das täglic­he Ge­bet in der Ge­me­ins­chaft zu be­vor­zu­gen, so dass manc­he Gefährten des Ge­sand­ten Got­tes so­gar der Mei­nung wa­ren, dass di­e Ver­nachlässi­gung des ge­me­ins­chaft­lic­hen Ge­bets di­e Vernachlässi­gung der Sun­na des Ge­sand­ten Got­tes be­deu­te.4 Die­se An­sicht muss zwar auf­grund der Ent­fer­nung von Woh­nung, Ar­be­its­platz und Mosc­he­e in de­uts­chen Städten re­la­ti­vi­ert wer­den, doch ist es der Be­deu­tung des ge­me­ins­chaft­lic­hen Ge­bets zu ver­dan­ken, dass man zu al­len Ge­bets­zei­ten Mus­li­me in der Mosc­he­e an­tref­fen kann. Auf­grund die­ser Be­to­nung der Ge­me­ins­chaft ist di­e Mosc­he­e Aus­gangs- und Treff­punkt für al­le mög­lic­hen Ak­ti­vitäten ei­ner Ge­me­in­de.

 

Dass di­e Mosc­he­en in De­utsch­land auch kul­tu­rel­le Auf­ga­ben wahr­neh­men, hat ei­ner­se­its mit der Mig­ra­ti­ons­gesc­hich­te De­utsc­hlands und an­de­rer­se­its mit der Le­ben­sa­uf­fas­sung des Is­lams zu tun. Di­e gro­ße Mehr­he­it der Mus­li­me in Deutsc­hland sind Mig­ran­ten, di­e mit der Mosc­he­e ei­nen Treff­punkt ha­ben, an dem si­e auch ihr kul­tu­rel­les Le­ben fort­füh­ren kön­nen, an­ge­fan­gen von ein­fac­hen Gesprächskrei­sen, zwecks des­sen ein ge­son­der­tes Lo­kal vor­han­den ist, über Ve­rans­tal­tun­gen an Fe­ier­ta­gen wi­e dem Ra­ma­dan- oder dem Op­fer­fest bis hin zu Folk­lo­reg­rup­pen und Nähkur­sen. Auf­grund die­ser Funk­ti­on wer­den Mosc­he­en auch oft als „Mosc­he­eve­rei­ne“ be­ze­ich­net, was zwar dem rech­tlic­hen Rang als ein­fac­hem Ve­re­in ents­prec­hen mag, doch ei­ne Ve­ren­gung der Auf­fas­sung von ei­ner Mosc­he­e nach is­la­misc­hem Verständnis be­deu­tet. In die­sem Zu­sam­men­hang wird auch oft von Pa­ral­lel­ge­sells­chaf­ten gesproc­hen. Doch im Hinb­lick auf die För­de­rung kul­tu­rel­ler Ei­gens­chaf­ten, di­e ja im All­ge­mei­nen er­wünscht ist, gibt es kei­nen Un­terschi­ed zwisc­hen ei­ner Mosc­he­e und ei­nem Hei­mat­ve­re­in wi­e er in je­der Stadt an­zut­ref­fen ist. Wi­e im ers­ten Te­il die­ses Be­it­rags schon be­tont wur­de möch­te der Is­lam ein Gan­zes schaf­fen, wes­halb di­e re­li­giö­sen und kul­tu­rel­len Di­men­sio­nen des Le­bens nicht im­mer getrennt wer­den kön­nen.

 

In je­der Mosc­he­e fin­det re­li­giö­se Un­ter­wei­sung und Er­zie­hung statt. Di­e ältes­te Form die­ser Be­leh­rung ist di­e Pre­digt, di­e nicht nur un­mit­tel­bar vor dem Frei­tags­ge­bet ge­hal­ten wird, son­dern auch vor oder nach al­len Ge­be­ten oder zu di­ver­sen Ve­rans­tal­tun­gen statt­fin­den kann. Allerdings ist die Freitagspredigt von großer Bedeutung, weil sie alle Muslime anspricht und in ihr nicht nur religiöse Sachverhalte, sondern aktuelle soziale, politische und sogar wirtschaftliche Themen angesprochen werden können. Dabei muss jedoch auch stets der unmittelbare Bezug zur religiösen Grundlage hergestellt werden. Eben­falls zur re­li­giö­sen Unter­wei­sung ge­hö­ren di­e me­ist am Woc­he­nen­de und in den Schul­ferrien durc­hge­führ­ten Ko­ran­kur­se, an de­nen mus­li­misc­he Kin­der und Ju­gend­lic­he je­des Al­ters te­il­neh­men und in de­nen si­e das grund­le­gen­de Wis­sen er­wer­ben, das zur Ver­rich­tung der all­ge­mei­nen re­li­giö­sen Pflich­ten er­for­der­lich ist. Au­ßer­dem ha­ben he­uti­ge de­uts­che Mosc­he­en auf­grund der feh­len­den Räum­lich­kei­ten und fi­nan­zi­el­len Mit­teln, di­e für an­de­re Aus­ga­ben ein­ge­setzt wer­den müs­sen, me­ist klei­ne Bib­li­ot­he­ken mit re­li­giö­ser Li­te­ra­tur, wo­zu be­is­pi­els­wei­se der Ko­ran, sei­ne Über­set­zung, sei­ne Aus­le­gung, ei­ni­ge Ha­dîth­samm­lun­gen so­wi­e di­e Le­bens­gesc­hich­ten ein­zel­ner Prop­he­ten ge­hö­ren.

 

Wi­e ge­sagt, werden diese Aktivitäten in ziemlich allen deutschen Moschee angeboten. Auf­grund der Situation der Mus­li­me, di­e Deutschland nun als ih­re Hei­mat bet­rach­ten und da­uer­haft hi­er le­ben möch­ten, hat sich ein Wan­del im Den­ken der Mus­li­me ein­ges­tellt. Die­ser Tat­sac­he entspricht der Wunsch der Mus­li­me nach sich­tba­ren Mosc­he­ene­ubau­ten, di­e zusätzlic­he Nut­zung der Mosc­he­e als Ort der in­ter­re­li­giö­sen und in­ter­kul­tu­rel­len Be­geg­nung und di­e ge­wach­se­ne Sen­si­bi­lität in Sac­hen Bil­dung.

 

Zu­erst ist fest­zu­hal­ten, dass der Ba­u ei­ner Mosc­he­e als solc­hes ein Ze­ic­hen der In­teg­ra­ti­on ist. Denn nur dort, wo Mus­li­me di­e Mög­lich­ke­it be­kom­men ih­re Mosc­he­en im Sin­ne ei­nes Got­tes­hau­ses, al­so eines Or­tes des welt­lic­hen und re­li­giö­sen Le­bens zu er­bau­en und zu bet­rei­ben, kön­nen si­e sich hei­misch füh­len. Nur wenn ei­ne Mosc­he­e als Ins­ti­tu­ti­on des Is­lams und nicht als (is­la­misc­her) (Kul­tur-)Ve­re­in Ak­zep­tanz fin­det, kann si­e ih­re Wir­kung ent­fal­ten.

 

Der ge­wach­se­ne Be­darf über di­e Mus­li­me und ih­re Re­li­gi­on und das Be­dürf­nis der Mus­li­me sich zu erklären, hat da­zu bei­get­ra­gen, dass sich im­mer mehr Mosc­he­e öff­ne­ten, sei es zum bun­des­wei­ten Tag der of­fe­nen Mosc­he­e, zu If­târ-Es­sen, zu Dia­log­verans­tal­tun­gen oder im Rah­men kom­mu­na­ler Zu­sam­me­nar­be­it. Di­e Kom­mu­nen – und nicht zu letzt di­e Par­tei­en – ha­ben die­ses Po­ten­zi­al er­kannt und sind ge­willt Mus­li­me und de­ren Mosc­he­en in im­mer um­fas­sen­de­rer Wei­se in di­e städtisc­he Ar­be­it ein­zu­bin­den.

 

Mosc­he­en le­gen, dem Be­is­pi­el des Ge­sand­ten Got­tes fol­gend, im­mer mehr Wert auf di­e Bil­dung und Er­zie­hung ih­rer Kin­der. So wie di­e Prop­he­ten­mosc­he­e auch ein Ort der Er­zie­hung war, stel­len Mosc­he­ege­me­in­den im­mer mehr Räum­lich­kei­ten und Fi­nanz­mit­tel für di­e Un­ter­rich­tung der kom­men­den Ge­ne­ra­ti­on be­re­it. Da­bei werden ne­ben den klas­sisc­hen In­hal­ten, an­ge­fan­gen von der Re­zi­ta­ti­on des Ko­rans bis zur Le­bens­geschich­te und Per­sön­lich­ke­it des Ge­sand­ten Got­tes, auch Nach­hil­fe­kur­se, mut­ters­prach­lic­her Un­ter­richt, De­utschkur­se, Com­pu­ter­kur­se, usw. an­ge­bo­ten. Die Erziehung wird dabei immer mehr auch pädagogisch geschulten Muslimen überlassen, wodurch der Imâm in diesem Bereich eine eher nebensächliche Rolle spielt.

 

Folg­lich ist es al­so ein po­si­ti­ves An­ze­ic­hen, wenn di­e de­uts­chen Mosc­he­en im­mer ak­ti­ver wer­den und sich zu mul­ti­funk­ti­ona­len Zentren ver­wan­deln. Da­mit fol­gen si­e dem Vor­bild des Ge­sand­ten Got­tes und le­is­ten ei­nen unent­behr­lic­hen Be­it­rag zur In­teg­ration der Mus­li­me.

 

 

1 Nach Buchârî, Anbijâ 40 und Muslim, Masâdschid 1-2

2 Ibni Hischâm, I, 367

3 Ibni Mâdscha, Mukaddima, 17

4 Nasâî, Imamat, 50; Abû Dâwûd, Salât, 46

 

 

Quellen:

 

– İslam Ansiklopedisi, Türkiye Diyanet Vakfı, Bd. 7, S. 46-92

– Das Gebetshaus der Muslime, Prof. Dr. Cemal Tosun(moschee.pdf“ target=“_blank“ >http://fortuna.divinity.ankara.edu.tr/~tosun/yazi/moschee.pdf)

– İslam Müessesselelerine Giriş, Muhammad Hamidullah, Beyan Yayıları, S.51-76

Quelle: http://www.igmg.de

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: