Muslimwelt

Wissen schafft Frieden

Die Stellung der Frau Heutzutage im Abendland

Posted by muslimwelt - Dezember 1, 2007

Und wie sieht eine Bestandsaufnahme der Situation der Frauen in den westlichen Gesellschaften im 20. Jahrhundert aus? „Ich bin so frei“?- Wir erinnern uns, die westliche Frau ist im Gegensatz zu ihrer muslimischen Schwester frei, gleichberechtigt und emanzipiert. So will es zumindest das Klischee.

magical-snap-20071202-0012-003.png Für viele Frauen hört die Freiheit schon abends auf. Gewalt gegen Frauen: Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe finden selten durch Unbekannte, sondern in der Regel durch Täter aus dem sozialen Nahbereich des Opfers statt. Nach einer Umfrage des Bundesfrauenministeriums haben 72% der Frauen Erfahrung mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz gemacht. Jede dritte Ehefrau wird von ihrem Mann geprügelt.

Gibt es denn nicht einen Zusammenhang zwischen dieser Gewalt, dem Bild, das diese Gesellschaft sich von der Frau macht und den Maßstäben, nach denen diese Gesellschaft funktioniert?

Ein Blick in die Medien genügt, um festzustellen, daß das Bild der Frau in einem bestimmten Ideal besteht. Eine Idealfrau hat jung, schlank und möglichst blond zu sein. Kaum eine Frau entspricht diesem Ideal, und doch haben die meisten es derart verinnerlicht, daß sie enorme Energien aufwenden, um sich ihm anzunähern. Keine Frauenzeitschrift kommt ohne Diäten aus – anscheinend eins der beliebtesten „Frauenthemen“. Frau ist dabei, eine Diät zu machen, hat gerade eine hinter sich oder plant, sich einer zu unterziehen. Nicht ohne Folgen: Die Anzahl der Eßstörungen nimmt, besonders unter jungen Frauen, ständig zu. Offiziell leidet jede zehnte Frau unter einer Eßstörung wie Magersucht, Bulimie o.ä. – Wie hoch die tatsächliche Ziffer ist, kann man nur erahnen.

Die Produktion eines Idealbildes, dem die große Mehrheit der Frauen nachläuft, ohne es je zu erreichen, ist dabei nichts anderes als ein immenses Geschäft. Die Industrie des Schönheitswahns boomt: Schönheitsoperationen unterhalten ganze Kliniken, und die Jahresumsätze der Kosmetikindustrie sprechen für sich. Die Modewelt ist ein weiterer Industriezweig, der ein Interesse daran hat, das „Ideal“ ohne Hinterfragung aufrechterhalten zu sehen. Man spricht nicht umsonst von einem Modediktat. Frauen sind in erster Linie Konsumentinnen, denen man vermittelt, das für einen Ausdruck ihrer Individualität zu halten, was in den Chefetagen der Industrie als Lifestyle, in oder out geplant und für Millionen von Menschen auf den Markt geworfen wurde. Ob man dies wohl als Freiheit bezeichnen kann?

Hat frau die allgegenwärtige Botschaft von Medien und Industrie aufgenommen, ist sie überzeugt: Glücklich und erfolgreich kann nur sein, wer diesem Ideal entspricht. Die Verzweiflung, die darüber eintritt, daß sie es nicht schafft, diesem Bild zu entsprechen, oder daß sich die gesamte Projektion als Trugschluß erwiesen hat und Glück und Erfolg sich auch dann nicht einstellen, wenn sie dieses Ideal erreicht hat, spiegelt sich nicht zuletzt in der Statistik des Alkohol-, Tabletten- und Drogenmißbrauchs wieder.

Eine Frau in der westlichen Gesellschaft hat, je nach dem, inwieweit sie dem jeweils herrschenden Ideal – das sich im Übrigen pro Generation mindestens einmal ändert – entspricht einen bestimmten Marktwert. Dabei ist die Frau in dieser Gesellschaft vor allem eins: ausbeutbar. Ein erneuter Blick in die Medien zeigt: Die Frau wird zu Profitzwecken ausgebeutet. Egal, welche Ware angepriesen wird: In der Werbung gehört eine ganz oder halbnackte Frau dazu. Auch, wenn es sich um einen Schokoriegel handeln sollte, der angepriesen wird. Darstellungen, die Frauen zum Objekt degradieren, begegnet man überall. Sie vermitteln die Botschaft: Die Frau ist ein Objekt, das man haben, besitzen, „sich nehmen“ kann. Gibt es denn nicht einen Zusammenhang zwischen dieser ständigen Reizüberflutung und den Übergiffen gegen Frauen? Führt nicht gerade die allgegenwärtige Projektion des „Idealbildes“ dazu, daß der selbst alternde Ehemann seiner alternden Ehefrau ihren verfallenden Marktwert vorhält und sich gegebenfalls „woanders umsieht“? Der Zusammenhang zwischen dieser Reizüberflutung und der Erniedrigung und Gewalt, die Frauen entgegengebracht wird, ist zu offensichtlich, um übersehen zu werden.

Und wie steht es mit dem Selbstwertgefühl? Wer kennt ihn nicht, den Satz:“Ich bin nur Hausfrau?“ Die Arbeit, die eine Frau durch die Erziehung ihrer Kinder und die Sorge um ihre Familie leistet, wird gesellschaftlich nicht anerkannt, denn obwohl es sich dabei um eine Tätigkeit mit sehr vielfältigen Anforderungen handelt, die durchaus mit der Tätigkeit eines Managers verglichen werden kann, ist sie unbezahlt. In einer Gesellschaft, deren oberster Handlungsmaßstab der Profit ist, ein unvergleichliches Manko. So fühlen sich viele Frauen gedrängt, „nebenbei“ außer Haus zu arbeiten- auch wenn es als Putzfrau in der Lebensmittelkette um die Ecke ist – um ein Minimum an gesellschaftlicher Achtung, einen Wert, zugesprochen zu bekommen.

Und was erwartet die Frau in der Arbeitswelt dieser Gesellschaft? Frauen in verantwortlichen und hochdotierten Positionen sind selten zu finden. Frauenarbeit ist vor allem schlecht bezahlte Arbeit: Frauen erhalten nur 70% des männlichen Durchschnittslohns. Die Arbeiten, die überwiegend von Frauen geleistet werden, etwa am Fließband, werden als „leicht“ bewertet und dementsprechend in „Leichtlohngruppen“ zusammengefaßt. Arbeit light? Frauen in der Arbeitswelt sind letztendlich das, was man als „Manövriermasse des Kapitals“ bezeichnet: Während ihre Arbeitstätigkeit in Zeiten wirtschaftlichen Aufschwungs und mangelnder Arbeitskräfte befürwortet wird und selbstverständlich davon ausgegangen wird, Arbeit und Familie seien spielend vereinbar, verweist man die Frauen in Zeiten wirtschaftlicher Rezession gern aus der (bezahlten) Arbeitswelt zurück.

Kann denn nur eine durchschnittliche westliche Frau, die ihre besten Jahre ihrer Familie gewidmet hat, im Alter von ihren Kindern umsorgt ihren Lebensabend genießen? Die Realität spricht eine andere Sprache. Eine alte Frau ist unproduktiv und hat nur noch einen geringen Marktwert. Vereinsamung und Verarmung kennzeichnen das Alter: In der BRD bekommen Frauen 60% weniger Rente als Männer, und 4/5 der Personen über 65, die von Sozialhilfe leben, sind weiblich.

Wo liegt nun der Zusammenhang zu den Prinzipien, nach denen diese Gesellschaft funktioniert? Die Gesellschaftsordnung des Westens mit ihren Gesetzen und Wertvorstellungen ist menschengemacht. Es ist eine kleine, männliche oder männlich dominierte Elite, welche Gesetze vorgibt, aber auch darüber entscheidet, wie die Mehrheit zu denken und zu handeln hat, was in und was out ist. In Verbindung mit dem obersten Handlungsmaßstab, dem Profit, hat das fatale Folgen. Es bedeutet, daß das – entweder legal oder halblegal unter gesellschaftlicher Akzeptanz – gemacht wird, was Profit bringt. Das gilt für die Ausbeutung weiblicher Arbeitskraft in Leichtlohngruppen ebenso wie die gesamte Schönheitsindustrie, Leihmutterschaft, Prostitution, Frauenhandel aus der Dritten Welt in die reichen Industrieländer (inklusive Rückgaberecht) usw. . Dabei trifft dieses Phänomen nicht nur auf den Bereich „Frau“, sondern auf alle Bereiche des gesellschaftlichen und internationalen Handelns zu: Handlungsmaßstab ist die Gewinnspanne.

Insofern gibt es einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Unterdrückung und Ausbeutung der Frau, der Minderheiten anderer Hautfarbe oder Ethnie sowie der Beherrschung von Nationen durch Nationen: Die 500 jährige Geschichte des Imperialismus und der Neokolonialismus unserer Tage, der die Länder der sog. Dritten Welt durch seine Institutionen wie die Weltbank in wirtschaftlicher Abhängigkeit hält, sie alle haben eins gemeinsam: Sie geschehen im Namen des Profits einer Minderheit. Begriffe wie „Freiheit“ werden hier lediglich dazu instrumentalisiert, diese Verhältnisse zu überdecken.

Die feministische Bewegung ist mit dem Anspruch aufgebrochen, die Ungerechtigkeiten und strukturelle Unterdrückung, denen Frauen sich in den westlichen Gesellschaften ausgesetzt sehen, zu beseitigen. Ihr erster um die Jahrhundertwende geführter Kampf galt der Durchsetzung eines Rechts auf höhere Bildung und politische Mitbestimmung. Und was hat sie gebracht? Gibt es noch andere Resultate als einige wenige nach jahrzehntelangem Kampf erreichte Gesetzänderungen? Und ist nicht die Ausbeutung und Unterdrückung der Frau nur subtiler geworden? Haben nicht gerade die Frauen in der postfeministischen Ära den Komplex, unbedingt neben der Familie noch eine Karriere machen zu müssen oder sich mit dem Gefühl herumzuschlagen, aus ihrem Leben nichts gemacht zu haben? Auch wenn die Karriere darin besteht, für 610 DM im Monat putzen zu gehen? Was ist aus den feministischen Ansprüchen geworden? Ist denn nicht gerade die Besessenheit der restfeministischen Bewegung mit der angeblichen Unterdrückung der Frau im Islam ein sicherer Indikator dafür, daß über das Scheitern der eigenen Emanzipationsbestrebungen hinweggetäuscht werden soll, nach dem Motto: Wir müssen den anderen auf die Sprünge helfen, wo wir selbst versagt haben?

Der ursprüngliche Ansatz des Feminismus, die strukturelle Unterdrückung durch ein von Männern gemachtes System aufzuzeigen, ist ja durchaus korrekt. Der Lösungsansatz aber, die Unterdrückung der Frau durch ein Konzept absoluter Gleichheit zu beenden, hat durch das „Übersehen“ der Tatsache, daß Männer und Frauen nicht gleich sind, letzendlich nur dazu geführt, den Frauen die doppelte Last aufzubürden. Das Manko der feministischen Bewegung besteht darin, keine realisierbare alternative Lebensordnung präsentieren zu können. Sie greift letztlich mangels Alternative auf genau die Idee zurück, die gerade zum derzeitigen Zustand der westlichen Gesellschaften mit ihrer Unterdrückung der Frau geführt hat: der Idee der Freiheit. Dies wird am deutlichsten im Aspekt der „sexuellen Freiheit“, welche die feministische Bewegung von Beginn an forderte. Ist es nicht gerade die Ausübung dieser Freiheit, die sich am meisten gegen die Frauen gerichtet und zu ihrer Ausbeutung und Erniedrigung beigetragen hat? Abtreibung, das Schicksal alleinerziehender Mütter, die um ihr Existenzminimum kämpfen müssen, sind das Ergebnis einer sexuellen Freiheit, die keine Verantwortung kennt. Der Druck auf Frauen und Mädchen, an dieser „Freiheit“ zu partizipieren, wird zum Gegenstand sozialer Ausgrenzung.

Ich bin so frei? Die Schwierigkeit besteht schon darin, den Begriff der Freiheit zu definieren. Eine absolute Freiheit für den Einzelnen kann es in einer Gesellschaft nicht geben. Aber wer setzt und definiert die Grenzen? Und ist es nicht so, daß derjenige, der die Idee der Freiheit verinnerlicht hat, meint, frei von Verantwortung zu sein, keine Rechenschaft ablegen zu müssen und vor allem Grenzen, die andere gesetzt haben, nicht akzeptieren zu müssen?

Freiheit in den kapitalistischen westlichen Gesellschaften ist vor allem die Freiheit des Stärkeren, den – oder die – Schwächere zu unterdrücken und auszubeuten. Man will – ohne Rücksicht auf andere – „sein Leben genießen“. Genuß wird dabei im Wesentlichen mit Konsum gleichgesetzt, der die Menschen in vielfältige Abhängigkeiten bringt, derer sie sich nicht einmal bewußt sind. Die Frau ist als gesellschaftlich schwächerer Part ein Opfer dieser Freiheit. „Ich bin so frei“ heißt übersetzt in die Realität nichts anderes als „Ich bin so frei, mich ausbeuten zu lassen.“

Quelle: enfal.de/frau3.htm

 

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