Muslimwelt

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Meinungsfreiheit im „Tal der Wölfe – Irak“

Posted by muslimwelt - Oktober 26, 2007

Seit dem Kinostart des türkischen Actionstreifens Tal der Wölfe – Irak“ sind in Deutschland viele kritische Stimmen zu hören. An sich genommen sollte dies niemanden stören, objektive Kritik und eine vorurteilsfreie Diskussion kann Niemandem schaden. Verwunderlich sind jedoch das Ausmaß der Kritik und die Kritikpunkte.

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Pauschal wird der Film als antiwestlich, antichristlich und antisemitisch verurteilt. Ich frage mich, ob manche Kritiker diesen Film überhaupt gesehen haben, insbesondere Herr Stoiber und sein Innenminister Herr Beckstein. Dieses Duo ist -wie wir alle wissen- hauptverantwortlich für das Wahldesaster der CDU/CSU bei den letzten Bundestagswahlen. Man hat das Gefühl, dass dieses Duo nichts aus ihren Fehlern gelernt hat. Sie versuchen sich weiterhin durch Kritik an Ausländern, insbesondere an den Türken und Muslimen, zu profilieren. Nach ihrem vehementen Einsatz gegen den Beginn der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei setzt sich dieses Team zweier Politiker nun auch gegen die türkische Filmindustrie ein. Als ein normaler Kinobesucher, der keine einzige Folge der zu diesem Film gehörenden Serie verfolgt hat, muss ich zugeben, dass mir der Film nicht sehr gut gefallen hat. Viele Szenen hätten professioneller und aufregender gedreht werden können. Bei einem Gesamtbudget von 8 Mio. Euro kann man aber keine Hollywood-Qualität erwarten. Herr Stoiber fordert das Verbot dieses Films und Herr Beckstein macht sich große Sorgen um seine vorbildhafte Integrationsarbeit mit türkischen Jugendlichen, denn diese würde durch diesen Film gefährdet werden. Bei solchen Äußerungen fragt man sich doch, wo die beiden Herren leben; die Vermutung, sie würden auf dem Mond leben, ist nicht haltbar, da sie täglich in den Medien auf dem Planeten Erde zu hören und zu sehen sind. Zumindest braucht sich Herr Beckstein keine Sorgen zu machen, dass sich etwa türkische Jugendliche hierzulande als Selbstmordattentäter in die Luft jagen. Im Film macht der islamische Geistliche, Scheich al-Kerkuki, einer jungen Frau, deren Ehemann auf der eigenen Hochzeit vor Ihren Augen von amerikanischen Soldaten erschossen wird und sie deshalb keinen Sinn mehr in ihrem Leben sieht und geleitet von Rachegefühlen vom Scheich um Erlaubnis bittet, sich in die Luft zu sprengen und dabei amerikanische Soldaten zu töten, unmissverständlich klar, dass Selbstmordattentate im Islam verboten sind, und dass es eine große Sünde ist, sich selbst zu töten und dabei auch unschuldige Menschen und Zivilisten mit in den Tod zu reißen. Dieser Scheich verhindert in einer anderen Szene die Enthauptung eines ausländischen Journalisten und stellt klar, dass Gewalt im Islam keinen Platz hat.

Dieser Aspekt fehlt mir in der Filmkritik, wieso wird die Aufklärung bezüglich der Selbstmordattentate nicht beachtet? Der Film enthält einige Szenen und Bilder die uns allen bekannt sind, die erniedrigende und demütigende Behandlung von Gefangenen im Folter-Gefängnis Abu Ghoreib in Bagdad, die Verhaftung von Hochzeitsbesuchern als Terroristen, die massenhafte Tötung von Gefangenen in einem Container (in Wirklichkeit in Afghanistan geschehen), wird dieser Film wegen dieser Szenen als antiamerikanisch kritisiert? Unser bayerisches Duo hat anscheinend in ihrem Kritikwahn völlig die Realität aus den Augen verloren und nicht bemerkt, dass es sich bei diesem Film um einen fiktiven Action-Thriller handelt und keinen Dokumentarfilm. Der Filmbuchautor hat als Künstler das Recht nach Belieben sein Thema niederzuschreiben und zu verfilmen. Dabei kann er den amerikanischen Befehlshaber beliebig als fundamentalistischen Christen oder aber auch als einen ungläubigen Menschen darstellen. Muss denn der amerikanische Soldat in jedem Film die Heldenrolle innehaben? Beachtet werden muss, dass dieser Film keinen Anspruch erhebt, die reelle Situation im Irak darzustellen. Es ist und bleibt ein Film.

In Hollywoodfilmen werden seit Jahrzehnten immer die US-Soldaten als die Superhelden und Retter der Menschheit uns vor Augen geführt, die Bösewichte sind fast ausschließlich muslimische Terroristen. In einer beliebten amerikanischen Serie werden in jeder Folge muslimische Terroristen überführt, in einer Folge wurde sogar eine türkische Familie als Terroristen bekämpft, wo war unser Duo damals und warum haben sie nicht auch diese Filme kritisiert?

Herr Beckstein, die integrationswilligen Türken in Deutschland haben sich durch diese Darstellung als Terroristen diffamiert und gekränkt gefühlt, bitte setzen sie sich für uns ein und teilen Sie unsere Kritik Ihren amerikanischen Freunden mit. Ich finde, dass unser bayerisches Duo die deutsche Gesellschaft prächtig als Filmkritiker unterhält und dies vielleicht auch hauptberuflich machen sollte. Ihre Stellung in der bayerischen Landesregierung steht seit den letzten Bundestagswahlen sowieso auf wackeligen Beinen.

Dieser Film sollte als eine Art Rache auf kultureller Ebene an den Amerikanern für die demütigende Behandlung türkischer Soldaten im Nord-Irak angesehen werden. Durch diesen Film wird das gekränkte Selbstwertgefühl der stolzen Türken, zumindest auf der Leinwand, wiederhergestellt. Dieser Film bricht auf keinen Fall den Kampf der Kulturen vom Zaun. Alle sollten auf dem Boden der Tatsachen bleiben. In diesem Film werden zwar viele Ressentiments und Klischees bedient, dies sollte aber für uns Hollywoodfilm-Fans nichts Neues sein. Angemessene Kritik muss akzeptiert und geachtet werden, unangemessene Kritik kann man mit Gegenkritik begegnen, so kann der friedliche Dialog zwischen den Kulturen fortgesetzt werden.

 

Quelle: NUN. Ausgabe3, März/April 2006

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