Muslimwelt

Wissen schafft Frieden

Menschenrechte

Posted by muslimwelt - Oktober 12, 2007

Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

“…Wenn jemand einen Menschen tötet, ohne dass die­ser einen Mord begangen hätte, oder ohne dass ein Unheil im Lande geschehen wäre, so soll es sein, als härte er die ganze Menschheit getötet. Und wenn jemand einem Menschen das Leben erhält, so soll es sein, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten…“ (Sure 5, Vers 32).

Die jahrhundertelange Sehnsucht des Menschen nach einer gerechten Gesellschafts- und Weltordnung, in der er in einer von Unterdrückung, Ausbeutung und Entbeh­rung freien Umwelt leben und sich ungehindert entfalten kann, hat sich in der Menschheitsgeschichte immer wie­der als Illusion herausgestellt.

Gott hat dem Menschen mit dem Qur’an jedoch einen dauerhaften gesetzlichen und moralischen Rahmen gegeben, innerhalb dessen er inneren und äußeren Frieden finden kann. Die Offenba­rung des Qur’an ist als der Abschluss eines heilsge­schichtlichen Prozesses zu verstehen, eines Prozesses, der den Menschen aller Zeiten und Orte immer wieder die Gebote Gottes nahe bringen sollte.

Nach islamischer Rechtsauffassung wird dem Gemein­wohl größere Bedeutung als dem individuellen Interesse geschenkt. Jedoch soll die Freiheit und Würde des ein­zelnen gewahrt bleiben. Die qur’anischen Prinzipien der Gerechtigkeit, der Aufrichtigkeit und der menschlichen Solidarität bringen für jedes einzelne Mitglied der Ge­meinschaft nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten mit sich.

Freiheit

Die Freiheit in der Gottesverehrung und im Gottesdienst bestimmt den Wert des Individuums. Je absoluter Gott wahrgenommen und erkannt wird, desto freier ist der einzelne Mensch den anderen gegenüber. Der Mensch ist nicht durch Erbsünde befleckt und besitzt die Fähig­keit, zwischen Gut und Böse, Wahrheit und Unwahrheit zu unterscheiden. Mit dem Hinweis auf das Jüngste Ge­richt definiert der Qur’an eine bestimmte Konzeption der menschlichen Natur. Zunächst wird der Mensch in seiner Eigenschaft als Gläubiger geachtet.

Da der Qur’an jedoch der gesamten Menschheit offen­bart worden ist, schließt der Islam niemanden aus: „0 ihr Menschen, Wir haben euch von Mann und Frau geschaf­fen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr einander erkennen möget. Wahrlich, der Angesehens­te vor Gott ist der, der unter euch der Gottesfürchtigste ist. Wahrlich, Allah ist allwissend, allkundig.“ (Sure 49, Vers13). In seiner Abschiedsansprache weist Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm und seiner Familie) die Menschen auf ihren gemeinsamen Ursprung und ihr gemeinsames Ziel hin: „0 ihr Menschen, euer Gott ist einer, ihr seid alle von Adam, und Adam ist aus Staub geschaffen. Der beste von euch vor Allah ist der Recht­schaffenste.“

Der Islam betont die Notwendigkeit, die Persönlichkeit des anderen zu achten. Gott hat den Menschen „vor vielen von denen, die Wir sonst noch erschaffen haben“ ausgezeichnet, und in diesem Sinne erkennt der Qur’an die besondere Würde des Menschen an. Der Mensch ist achtbar und würdig, weil er Verantwortung trägt. Diese Verantwortung beinhaltet die Freiheit der Entscheidung. Während der Mensch gegenüber dem göttlichen Gesetz­geber nur Pflichten hat, sind auch seine Rechte gegen­über seinen Mitmenschen durch die Freiheit der anderen begrenzt.

Gleichheit

Das Prinzip der Gleichheit bestimmt die Vorstellung vom Menschen und ist die Basis, auf der das Gesellschafts­system ruht. Auf der metaphysischen Ebene sind die Menschen grundsätzlich gleich, und zwar durch ein und dasselbe Dienen in und für Gott. Auf der Ebene der for­malen Gleichheit gewährt das rechtliche Gleichheitskon­zept für alle gleiche Vorschriften und Sanktionen.

Vor dem Gesetz sind Mann und Frau gleich. Dies kommt am besten in folgendem Ausspruch Prophet Muham­mads (s.a.w.s.) zum Ausdruck: „0 mein Volk, eure Frau­en haben wirklich ein Recht über euch und ihr habt ein Recht über sie.“ Nach islamischem Recht kann die Frau ihr Vermögen unabhängig von ihrem Mann verwalten. Der Ehemann darf von ihrem Vermögen nichts nehmen,

es sei denn mit ihrer Zustimmung. Der Islam macht es der Frau nicht einmal zur Pflicht, zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen; dies ist allein die Aufgabe des Mannes. Unterschiede zwischen Mann und Frau werden nur in den Fällen gemacht, in denen die Natur der beiden Geschlechter dies erfordert oder es der Familie oder der Frau selbst zum Vorteil gereicht.

Eigentum

Die materielle Gleichheit gebietet dem Gläubigen, sich nicht von seinen Bedürfnissen versklaven zu lassen. Der Qur’an erkennt Vermögensunterschiede an, betont aber, dass alle Güter letztendlich das Eigentum von Gott allein sind- Der Mensch hat nur Nutzungsrecht auf Erden. Als einzige Bedingung für das Privateigentum gilt, dass es auf ehrliche Weise erworben sein muss. Maßlosigkeit und Verschwendung müssen unter allen Umständen vermieden werden. „Habt ihr denn nicht gesehen, dass Allah euch alles dienstbar gemacht hat, was in den Him­meln und was auf der Erde ist, und (dass Er) Seine Wohltaten reichlich über euch ergossen hat in sichtbarer und unsichtbarer Weise?“(Sure,31,Vers21).

Alle Schätze der Natur sollen allen Menschen zur Verfü­gung stehen, denn sie sind Wohltaten, die Gott der gan­zen Menschheit zu ihrem Wohl verliehen hat. Um die Ausbeutung der Gemeinschaft zu verhindern, verbietet das islamische Gesetz Monopole, Wucher, die Anwen­dung von Zwang beim Abschluss von Verträgen und die Manipulation durch irreführende Werbung. Den weniger begünstigten Mitgliedern der Gesellschaft soll materiell geholfen werden; diese Pflicht obliegt nicht nur der Ge­meinschaft, sondern insbesondere den Reichen der Gesellschaft.

Versorgung

Der Islam schützt die Arbeit und den Arbeiter und ver­pflichtet die Muslime nicht nur zur gerechten, sondern auch zur großzügigen Behandlung des Arbeiters. Pro­phet Muhammad (s.a.w.s.) mahnte alle Arbeitgeber, dem Arbeiter seinen Lohn auszuzahlen, noch bevor sein Schweiß auf der Stirn getrocknet ist.

„Kein Volk wird Erfolg haben, wenn in ihm die Rechte der Schwachen vor den Starken nicht gewährt wer­den“, lautet einer seiner Aussprüche. Der Bedürftige und hungernde hat das Recht die Mahlzeit des Wohl­genährten zu teilen, wenn ihm in seiner gesellschaft­lichen Ordnung ohne sein Verschulden keine Mög­lichkeiten zur Bestreitung seines Unterhalts einge­räumt werden. Der Muslim kann sich der Nahrung auf dem Tisch eines Gläubigen bedienen, der genug zu essen hat, ob dieser nun wolle oder nicht. Im Falle einer möglichen Weigerung hat der Hungrige sogar das Recht, notfalls Gewalt anzuwenden.

Jeder Muslim soll sich für die Gemeinschaft und da­mit auch für jeden einzelnen verantwortlich fühlen und im Rahmen seiner Möglichkeit den Bedürftigen seine Hilfe und Unterstützung zuteil werden lassen.

Glaube

“Es gibt keinen Zwang im Glauben.“ (Sure 2, Vers 256) Der Islam zwingt niemanden, seinen Glauben aufzugeben und zum Islam überzutreten. Alle Musli­me werden angehalten, mit Andersgläubigen einen Dialog frei von missionarischem Eifer zu führen: „La­de ein zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schö­ner Ermahnung; und diskutiere mit ihnen auf die bes­te Art. Denn wahrlich, dein Herr weiß am besten, wer von Seinem Weg abgeirrt ist und kennt am besten diejenigen, die rechtgeleitet sind!“ (Sure 16, Vers 125).

Nicht nur unter den Muslimen wird Gleichberechti­gung vor dem Gesetz gefordert, sondern auch zwi­schen Muslimen und Nichtmuslimen. Die Regierung hat die Rechte der Minderheiten gleichermaßen zu verteidigen. In diesem Sinne sind auch religiöse Riten und Feiertage Andersgläubiger zu respektieren. Von Prophet Muhammad (s.a.w.s.) stammt der Aus­spruch: „Wer einem nichtmuslimischen Bürger Scha­den zufügt, der schadet gleichzeitig mir.“

Partizipation

Prophet Muhammad (s.a.w.s.) pflegte vor jeder wichtigen Entscheidung seine Gefährten zu befragen. Das Bera­tungsverfahren (Schura) bildet auch die Grundlage der Beziehungen zwischen Regierung und Volk: „Was euch (auch) immer gegeben wird: es ist nur ein vorübergehen­der Genuss dieses irdischen Lebens, und das, was bei Gott ist, ist besser und dauerhafter für jene, die glauben und auf ihren Herrn vertrauen; und (für jene, die) die schwersten Sünden und Schändlichkeiten meiden und wenn sie zornig sind vergeben, und (für jene,) die auf ihren Herrn hören und das Gebet verrichten und ihre Angelegenheiten in gegenseitiger Beratung regeln, und die spenden von dem, was Wir ihnen gegeben haben.“ (Sure 42, Verse 36-38).

In Übereinstimmung mit diesem Prinzip steht dem Volk auch das Recht zu, seine Regierung zu wählen oder aus dem Amt zu entfernen. Der Qur’an verurteilt jegliche Unterteilung in soziale Schichten oder Klassen als wider die menschliche Natur, denn die Menschen sind gemäß der Überlieferung „ebenbürtig wie die Zähne eines Kammes“.

Die Staatsgewalt wird nur als anvertrautes Gut in menschlicher Hand betrachtet und beruht keineswegs auf Erbrecht. Der Appell des Qur’an an den Menschen „unterdrücke nicht, und lass dich nicht unterdrücken!“ verpflichtet jeden einzelnen, gegen jede Art von Willkür anzugehen, auch wenn das die Herausforderung der höchsten Staatsautorität einschließt. Denn alles kommt von Gott und kehrt zu Ihm zurück. Ein wahrhaft Gläubiger ist stets darum bemüht, der schöpfe­rischen Weisheit auf beste Weise zu dienen. So sind denn auch die Rechten und Pflichten des Muslim nicht auf das gemeinschaftliche Wohl – wie beim ersten Artikel der Menschenrechtserklärung – zugeschnitten oder etwa auf künstliche Gebilde wie Nation oder Rasse, sondern auf die Glückseligkeit des Menschen auf seinem Weg zu Gott.

 

Quelle:www.way-to-Allah.com

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